Buchbesprechung: Jean Genet, der herrliche Lügner

Tahar Ben Jelloun ist der vielleicht bekannteste marokkanische Autor der Gegenwart, was sicher damit zusammenhängt, dass er französisch schreibt; er ist einer der anerkanntesten (u. a. Prix Goncourt), produktivsten und aktivsten aus dem Magreb stammenden Intellektuellen und Künstler (www.taharbenjelloun.org). 1974 suchte der damals 64-jährige berühmte und umstrittene Dichter Jean Genet die Bekanntschaft des 30-jährigen Ben Jelloun, der erst am Anfang seiner Karriere stand. Es entwickelte sich eine Beziehung, die bis zum Tode Genets 1986 anhielt (er liegt in marokkanischen Stadt Larache begraben) und in der es immer wieder um die Themen Palästina, Marokko, Frankreich, Araber und der Westen ging. Ob es eine Freundschaft war? Der zwiespältige Genet selbst wollte keine Freunde, unterschwellig ist aber gerade das eines der Themen des Buches – in dem man im übrigen sehr viel interessanteste Einzelheiten aus dem Leben anderer Künstler, Literaten, Intellektueller etc. in Frankreich und Marokko erfährt. Ein berührendes, allerdings einige Vorkenntnisse voraussetzendes Erinnerungsbuch, in dem Ben Jelloun Jean Genet ein schönes, weil ehrliches und ungeschminktes Denkmal gesetzt hat.

Tahar Ben Jelloun: Jean Genet, der herrliche Lügner
Merlin Verlag, 2011

Dr. Wolfgang Neumann

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