Buchbesprechung: Living in Morocco

Bereits die Bilder auf dem Einband laden zum Verweilen ein. Die zahlreichen, vor einer türkisfarbenen Zimmerwand angeordneten silbernen „Hände der Fatima“ signalisieren zunächst ein unmissverständliches „Stopp“ um auf dem Sofa der Rückseite Platz zu nehmen. Genauer gesagt um es sich in einer mit Arabesken gefliesten und mit Koransuren verzierten Nische, ausgefüllt von einer verführerisch anmutenden Sitzgelegenheit, bequem zu machen.
25 Kapitel eröffnen Einblicke auf Interieurs und Exterieurs marokkanischer Häuser. In der Mehrzahl kleine Gasthäuser, Hotels und traditionelle Riyads wie sie typischerweise im Maghreb zu finden sind. Laut dem Glossar der arabischen und marokkanischen Begriffe, das ebenso wie die begleitenden Texte des Bildbandes dreisprachig aufgebaut ist, handele es sich bei einem Riyad um einen „umfriedeten privaten Garten“. Denkt man ein den Garten umschließendes Gebäude hinzu, vervollständigt sich das Bild. Viele der alten Riyads sind in Privatbesitz und aufwändig zu Hotels umgestaltet.
Der Bildband ist ein hervorragend arrangierter Katalog ebensolcher Riyads in Marrakesch und Tanger. Die Bilder überzeugen anhand ihrer künstlerischen Qualität, die die Räume gekonnt zu inszenieren weiß. Dass man sich in der schamlosen Schönheit des Buches verlieren kann, wie der Klappentext vollmundig verspricht, steht außer Zweifel. Das Symbol der Hand von Fatima, der Tochter des Propheten Mohammed, schützt vor dem bösen Blick. Die türkisfarbene Zimmerwand und das Sofa sind Teil des Riad Frans Ankone im Zentrum der Altstadt von Marrakesch.

Barbara und René Stoeltie: Living in Morocco.
282 S., Köln 2010, Taschen Verlag

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