Buchbesprechung: Die Gefangene – Ein Leben in Marokko

Wenn man über Marokko spricht und liest, sollte ein Buch nicht in der Sammlung fehlen. Es ist ein Buch, das am Beispiel einer sehr ergreifenden persönlichen Geschichte ein wichtiges Kapitel der jüngeren Vergangenheit Marokkos aufarbeitet.

Malika Oufkir, Tochter von General Mohammed Oufkir, der unter Hassan II., König von Marokko, Innen- und Verteidigungsminister war, erzählt ihr Leben von ihrer Kindheit bis zum Alter von etwa 40 Jahren.
Als Kind wurde sie zur Ziehtochter des Königs, der sie als Spielgefährtin und Halbschwester seiner Tochter von Mohamed V. in den Palast holte und ihr die gleiche Erziehung angedeihen ließ wie seiner Tochter. Malika erinnert sich, wie sie ungehindert im Palast umher rannte, ihre Streiche spielte und alle Konkubinen und deren Schwächen kannte. Doch sie ist nicht glücklich, weil sie von ihrer Familie getrennt ist und es dauert nicht lange, bis sie darum bittet, den Palast verlassen zu dürfen. Dann geht alles furchtbar schnell. Der Vater wird verhaftet und ermordet, was genau geschehen ist, erfährt die erschrockene Familie erst viel später. Die Frau von General Oufkir wird mit ihren fünf Kindern verhaftet und verschleppt und muss viele Jahre Gefangenschaft erdulden, größtenteils in menschenunwürdigen Verhältnissen.

Malika Oufkir berichtet ohne Groll oder Rachegefühle und ihre Sichtweise ist eine ganz persönliche, wie sich dem Leser ganz deutlich zeigt. Doch es ist auch ein wichtiges Kapitel marokkanischer Geschichte, das leider großenteils noch schamhaft verschwiegen wird.

Malika Oufkir & Michèle Fitoussi: Die Gefangene – Ein Leben in Marokko,
379 Seiten, Ullstein Taschenbuch; 5. Auflage 2002, ISBN: 978-3548362496

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.