Buchbesprechung: Karim El-Gawhary: Frauenpower auf Arabisch

Die in seinem Buch porträtierten Frauen zeigen eine deutlich andere Seite der arabischen Frauen, als wir sie gemeinhin in den europäischen Medien zu sehen bekommen. El-Gawhary stellt Frauen aus verschiedenen arabischen Ländern vor:Saudi-Arabien, Bahrain, Palästina, Libyen und verständlicherweise Ägypten.

Viele dieser Frauen zeichnen sich aus durch ihr mutiges Eintreten für Selbstbestimmung und Freiheit. Teilweise beschreibt El-Gawhary aber auch nur erschütternde Schicksale wie die der Ägypterinnen Fatma und Magda, die ihre Söhne bei dem tragischen Ausgang des Fussballspiels zwischen den Clubs Al Masry aus Port Said und Al-Ahli aus Kairo am 2.2.2012 verloren haben, als 72 Fans von Al-Ahli im Stadion ums Leben kamen, u.a. der Sohn von Fatma. Fast ein Jahr später werden in einer Gerichtsverhandlung 26 Anhänger des Al Masry Clubs zum Tode verurteilt, unter ihnen der Sohn von Magda. Die Gegenüberstellung der Standpunkte der beiden Frauen zeigt, auch ohne jeglichen Kommentar von Seiten El-Gawharys, wie tief die Kluft zwischen den beiden verfeindeten Fussballclubs ist. Was hinter dem tragischen Unglück stehen mag, kann man nur mutmassen. Doch daran beteiligt sich der Autor nicht.

Ebenso erschütternd der Bericht über die palästinensische Familie, die israelischen Phosphorbomben zum Opfer gefallen ist.

Dagegen machen die Geschichten von Abier aus Suez, die eine Gewerkschaft für Brotverkäuferinnen gegründet hat und sich immer wieder gegen die Bürokratie der Behörden zur Wehr setzt, Mut und Hoffnung, dass sich vielleicht auch für die „kleinen Leute“ bald etwas ändern wird. Für Menschen wie die der Familie von Umm Naama aus Kairo bleibt nur das Warten auf ein Wirtschaftswunder, das den Betroffenen wieder Lohn und Brot sowie soziale Absicherung bringt. Doch auch hier gibt El-Gawhary keine Prognosen, keinen Ausblick. Erst in seinem Nachwort weist er darauf hin, dass die wirtschaftliche Lage „der größte Feind der Frauen“ ist.

Davon merken Frauen wie die ägyptische Richterin Tahani Al-Gebali, die vorzeitig in Rente geschickt wurde, die ägyptische Dekanin Randa Abu Bakr und viele andere intellektuelle Frauen wenig. Sie haben andere Probleme, etwa wie Manal El-Sharif aus Saudi-Arabien, die dafür kämpft, dass Frauen in ihrer Heimat endlich Auto fahren dürfen.

Alles in allem zeichnet Karim El-Gawhary sehr feinfühlig ein Bild arabischer Frauen, in dem eines ganz klar wird: Es gibt nicht DIE arabische Frau. Jede hat ihr eigenes Schicksal, ihren eigenen Weg, ihre eigenen Methoden. Manche tun sich auf ihrem Weg zusammen und kämpfen gemeinsam – auch mit männlichen Kollegen – für ihre Sache. „Alte Konventionen werden nicht mehr einfach als gottgegeben hingenommen.“ Und wohin immer auch der Weg nach den Aufständen und Massenprotesten führen mag, Frauen werden daran beteiligt sein und der Zukunft ihren Stempel aufdrücken.

Karim El-Gawhary, selbst Halbägypter (mit einer deutschen Mutter), lebt seit 10 Jahren in Kairo, wo er u.a. das Nahostbüro des ORF leitet.

Karim El-Gawhary: Frauenpower auf Arabisch. Jenseits von Klischee und Kopftuchdebatte
204 S., Verlag Kremayr & Scheria, Wien, 3. Aufl. 2013, ISBN: 978-3218008792

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