Bahrain: Abbas Al-Mosawi

Kleines Land – große Kunstszene: Im Königreich Bahrain engagieren sich auch Mitglieder der Herrscherfamilie für die Kunst, wie Sheikh Rashid Al Khalifa, Mitbegründer der Kunstgesellschaft. Es gibt zahlreiche professionelle Kunstgalerien, das Nationalmuseum hat eine Kunstabteilung und in der 1972 etablierten „Bahrain Annual Arts Exhibition“ verfolgt man jährlich nicht nur die Entwicklung der Künstler mit internationalem Renommee sondern lernt auch viel versprechende Nachwuchstalente kennen. Einer der herausragenden Künstler ist Abbas Al-Mosawi.

Auf der Karriereleiter nach oben

Vater (Schriftsteller) und Großvater des Künstlers waren hochangesehene Imame und Kadis, ihr Mausoleum befindet sich in der Nähe der Ruine der Al Khamis Moschee, etwas außerhalb der Hauptstadt Manama. Die Karriere des 1952 geborenen Malers klingt spannend: Sein erster Mallehrer war der berühmte bahrainische Künstler Dr. Ahmed Baqer. Dank der Öleinnahmen konnte die bahrainische Regierung es sich in den 1970er Jahren leisten, einigen Studenten Stipendien für Auslandsstudien zu finanzieren. Abbas Al-Mosawi machte davon auf Empfehlung von Ahmed Baqer Gebrauch und studierte vier Jahre Interior Design in Kairo. Nebenher malte er und war besonders beeindruckt von dem impressionistischen Stil des ägyptischen Malers Sabry Ragheb (1920-2000). Im Jahr1978 gewann er den Dilmun Kunstpreis mit einem Gemälde, das im Nationalmuseum in Bahrain hängt. Zur 200-Jahr-Feier der königlichen Familie Al Khalifa im Jahr 1983 malte er ein 2 x 3 m großes Bild, das endgültig den Durchbruch in Bahrain brachte. Danach hatte er zahlreiche Ausstellungen weltweit. Seine frühen Werke im expressionistischen Stil – Souk Bilder und die Heritage Serie mit Straßenrestaurants, in denen Männer Edelsteine verkaufen, Wasserpfeife rauchen und Domino spielen oder durch Muharraq und Manama wandeln vor dem Hintergrund der traditionellen Häuser mit Holzbalkonen – sind legendär und Bilder in diesem Stil malt er bis heute – neben aktuellen, abstrakten Frauenportraits. Bei Mixed Media Werken verwendet er gern Textilien – vorzugsweise aus Indien – und oft ziert Kalligrafie seine symbolreichen Gemälde. Das Schaffen großformatiger Werke erfordert Bewegung, die er liebt, Stillstand in jeder Hinsicht ist ihm fremd. Schaffensdrang und Kreativität sind schier unerschöpflich und seine Begeisterung für die Kunst ist so mitreißend, dass Besucher ihn nach einer Vernissage oft fragen, ob er sie im Malen unterrichten würde …

Projekte für UNESCO und Frieden

Seit dem Jahr 2000 macht er immer wieder Schlagzeilen durch weltweite UNESCO-Malprojekte, in denen Jugendliche und Erwachsene eingebunden sind. Das sind jeweils gigantische Medienspektakel, bei denen hunderte von Teilnehmern mit Pinsel und Farben ausgestattet werden, um ihre Werke an einem zentralen Ort zu einem vorgegebenen Thema auf die Leinwand zu bringen. In seiner Heimat hat er ein Dorf, das in der Nähe des Bahrain Fort liegt, vor dem Abriss bewahrt, indem er zusammen mit den Einwohnern sämtliche Hauswände und die Wände der Moschee künstlerisch gestaltete – und das lokale Fernsehen hielt alles in Bild und Ton fest. Er hat Sinn für große Auftritte und große Gesten. Unvergesslich bleibt die Szene, in der er mit roter Farbe um sich warf und sich schließlich darin wälzte, aus Protest gegen die Gewalttaten von Terroristen. Zum 11. September 2001 hat er ein Riesengemälde für das amerikanische Volk gemalt, das der damalige US-Botschafter der UN überbrachte.

Über 1000 Gemälde im Krankenhaus

Unmögliches wird möglich gemacht, wie die folgende Schilderung zeigt: „Ein sehr großer Teil meiner Werke hängt in den endlos langen Korridoren des International Hospitals in Saar, südlich von Manama. Der Auftraggeber orderte zuerst 50 großformatige Gemälde, die in kürzester Zeit fertig sein sollten. Der Termin war nicht zu schaffen und alle meine Einwände hinsichtlich „künstlerischer Muße und Qualität“ nützten nichts. Um den Auftrag nicht zu verlieren, machte ich ein generelles Konzept und heuerte dann Studenten zur Hilfe an. Kaum hingen die Bilder an den Wänden, kam ein noch größerer Auftrag über 100 Bilder. Als sich diese als zu klein herausstellten, wurden sie zusammengeklebt. Mit 10 Studenten haben wir Tag und Nacht gearbeitet, um den Termin zu schaffen. Die Studenten haben das als Kunstevent deklariert. Kaum war diese Arbeit gelungen, hieß es: Ende des Monats erwarten wir den König zu Besuch, er will traditionelle Malerei sehen. Ich malte drei Bilder pro Tag. So ging es ständig weiter. In 8 Jahren wurden sämtliche Korridore mit Gemälden versehen, insgesamt sind es weit über 1000. Die Besucher des Krankenhauses wähnen sich eher in einem Kunstmuseum.“ Damit nicht genug: Ob man das berühmte Bait Al Qu’ran in Manama, Ministerien oder andere staatliche Einrichtungen wie Gemeindezentren und Bürgermeisterämter besucht, überall hängen in den Empfangsräumen oder den Büros der Direktoren Werke von Abbas Al-Mosawi.

Monumentale Frauenportraits in der Abbas Al-Mosawi Art Gallery

Der Erfolg machte es möglich, dass Abbas Al-Mosawi sich einen Traum erfüllen konnte: Auf einem großen, von einer kunstvoll gestalteten Mauer umgebenen Grundstück mit blühenden Bäumen, Büschen und Blumenpracht baute er 2013 etwas außerhalb von Manama seine selbst entworfene Privatvilla und direkt gegenüber die Abbas Al-Mosawi Art Gallery, die jedem Besucher offen steht – ein Gesamtkunstwerk, denn sowohl bei der Architektur als auch bei der Innendekoration wurde nichts dem Zufall überlassen und überall ist die Phantasie des Künstlers zum Greifen nah. Im Souterrain ist sein künstlerisches Leben in Gemälden und Fotos festgehalten, während die Wände im Erdgeschoss und ersten Stock die neuesten Kreationen des Künstlers zeigen: monumentale Frauenportraits. Blickfang ist eine Figurengruppe von acht lebensgroßen Frauen mit großen Hüten. Bei näherer Betrachtung stellen sich diese als eine Art Schaufensterpuppen heraus, die vom Künstler phantasievoll bemalt wurden.

Dokumentation eines Künstlerlebens

Als 2007 das Buch des bekannten Kunstexperten Denis O’Dwyer „Abbas Al-Mosawi and the Colors of Bahrain“ (http://www.coloursofbahrain.com) präsentiert wurde, war das ein Medien-Ereignis. Inzwischen liegen Übersetzungen in mehreren Sprachen vor, die Übersetzung ins Deutsche ist geplant. Damit ist Abbas Al-Mosawi einer der wenigen zeitgenössischen Künstler der arabischen Halbinsel, über dessen Leben und Werk zu seinen Lebzeiten ein Buch geschrieben wurde. Das großformatige Buch ist nicht nur die Beschreibung eines aufregenden Künstlerlebens im Kontext von Familie und Gesellschaft, sondern behandelt auch die Entwicklung des Inselstaats Bahrain vom Leben in Barasti-Hütten bis zu ultramodernen Wolkenkratzern, seiner Herrscher und für das Land wichtiger Großkonzerne wie BAPCO. So gibt es neben einer Fülle von Abbildungen der Gemälde des Künstlers auch eine Vielzahl seltener, historischer schwarz-weiß Fotos, die erahnen lassen, welche Arbeit der Geschichtsabteilung an der University of Bahrain bevorsteht.

Text und Fotos: Barbara Schumacher

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