Libanon: Zena Assi Farah

Selten konnte eine Nachwuchskünstlerin so viel Aufmerksamkeit verbuchen wie die in Tripoli geborene libanesische Künstlerin Zena Assi Farah (geb. 1974), die heute in Beirut wohnt und arbeitet. Sie ist mit Wassim Farah verheiratet, spricht fließend arabisch, englisch und französisch.

Unzählige Galerien in Beirut

Das Land blickt auf eine lange Kunsttradition zurück. Wer sich für Kunst interessiert, der kann in Beirut zwischen unzähligen Galerien und Ausstellungen wählen und wird das 1961 eröffnete Nicolas Sursock Museum für moderne Kunst nicht verpassen. Seit 2008 gibt es das Beirut Art Center (BAC), das den Video-, Computer-, Installations- und Performancekünstlern in jeweils eigenen Räumen als Plattform für zeitgenössische Kunst dient. In Beirut kreiert Zena Assi Kunstwerke, die den Betrachter sofort in ihren Bann ziehen, weil er unmittelbar das Anliegen der Künstlerin erkennt: Gemälde in mixed media auf Leinwand zeigen schlaksige, oft melancholisch oder sogar düster dreinblickende Figuren, große Ansammlungen von Menschen und Stadtansichten mit einem Wirrwarr an Häusern, Kabeln, Antennen, Masten und Zäunen – künstlerischer Ausdruck des Eindrucks, den die Auswirkung der jüngeren Geschichte Beiruts auf sie ganz persönlich hat. „Früher habe ich es gehasst, aber heute liebe ich das Chaos, das wir hier haben,“ sagt Zena. Ihr Erfolg erklärt sich vor dem Hintergrund der Entwicklung der Kunst in den letzten 25 Jahren im Libanon. Viele junge Künstler sind während dieser Zeit ihren Kunstlehrern und Mäzenen gefolgt und haben die Galerien mit Gemälden gefüllt. Heute gibt es zahlreiche 30-40 Jahre alte Malerinnen und Maler, die sich sowohl figurativ als auch abstrakt äußern – gesellschaftskritisch und mit politischen Anliegen. Sie drücken, wie Zena Assi, ihr Leben, ihre Zeit und ihre Erfahrungen in einem Stil aus, der jegliche Nostalgie vermissen lässt. Wer einmal ihre Werke gesehen hat, erkennt sie sofort wieder, sowohl am für sie charakteristischen Stil als auch an den Farben.

Galerie Alwane stellt Zena Assi aus

Die in der Kunstwelt berühmte Odile Mazloum entdeckte die Talente der Künstlerin im Jahr 2006. Odile ist sowohl Künstlerin als auch Eigentümerin und Direktorin der renommierten Kunst-Galerie Alwane in Beirut, die seit 1964 im Kunsthandel tätig ist. Sie gilt als höchst anspruchsvoll. Es heißt, dass sie von 1000 Künstlern, die sich bei ihr vorstellen, nur 1 oder 2 akzeptiert. Vorrangig geht es ihr um die Glaubwürdigkeit der Künstler, deren Werke sie ausstellt. Zena ist eher scheu und nur auf einfühlsames Drängen erzählt sie von ihren Erfolgen: „In letzter Zeit waren meine Arbeiten im Rahmen des Salon d’Automne, Beiruts jährlicher, exklusiver Ausstellung, die vom Museum Sursock organisiert wird, ausgestellt. Eines meiner Bilder war auf dem Titelblatt des Magazins L’Agenda Culturel und ein anderes auf dem Titelblatt von Banipal, einer englischsprachigen Literaturzeitung.“

Von der Werbeagentur zum eigenen Atelier

Auf die Frage nach ihrem bisherigen Werdegang antwortet sie: „Im Jahr 1997 machte ich meinen Magister in Werbung an der Académie Libanaise des Beaux-Arts (ALBA) und arbeitete danach bei der Beiruter Niederlassung der Werbeagentur Saatchi & Saatchi.

Bereits1998 ging ich zurück zur ALBA, diesmal als Lehrerin. Dort blieb ich bis 2004 und beschloss, fortan nur noch zu malen. Ich male jeden Tag und bin noch vor 8 Uhr morgens in meinem Studio. Das brauche ich einfach, anders kann der Tag für mich nicht beginnen.“ Der Einfluss von Werbegrafik ist in ihren Werken nicht zu übersehen. Sitzt sie vor der leeren, mit Acryl grundierten Leinwand, macht sie keine vorbereitenden Skizzen, sondern beginnt sofort mit dem Gestalten. Dazu benutzt sie verschiedene Materialien, wie Textilien, Papiertaschentücher, Pinselhaare und vieles mehr. Zum Schluss wird das Werk mit Ölfarben übermalt, das ergibt die spezifische Leuchtkraft.

Neun erfolgreiche Soloausstellungen

Seit 2005 hatte sie neun Soloausstellungen, fünf davon in der Galerie Art Sawa in Dubai, wo 2006 ihr internationaler Aufstieg begann. Schon vorher hatte Art Sawa die Exklusivvertretung ihrer Werke für die Vereinigten Arabischen Emirate erworben. In dieser Galerie war sie seitdem oft als „resident artist“ tätig und schuf viele Werke. „Mir ist bewusst, dass nicht viele Nachwuchskünstler die Chance bekommen, in regelmäßigen Abständen in einer solch professionell agierenden Galerie ausstellen zu können – noch dazu in Dubai, der sich rasant entwickelnden Kunst- und Kulturdrehscheibe für den Mittleren Osten,“ so Zena Assi. „Mir gefällt die Galerie auch deshalb, weil sie seit ihrer Eröffnung permanent Ausstellungen organisiert und ich empfinde es als große Ehre, dass ich hier Workshops organisieren kann.“ Gruppenausstellungen hatte sie nicht nur in der arabischen Welt, sondern auch in London, Paris und Miami. Bis Ende 2013 waren es über dreißig.

www.zenaassi.com

Text: Barbara Schumacher, Fotos: Art Sawa

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