Buchbesprechung: Mein Ägypter ist anders

Es fällt mir schwer, etwas über dieses Buch zu schreiben. Warum? Ich habe etwas anderes erwartet, jedenfalls teilweise. Und nun bin ich enttäuscht. Aber am besten, ich beginnen von vorne:

D.h. mit dem Cover, das mich schon bei der Bestellung nicht wirklich angesprochen hat. Es kommt mit einem qualitativ minderwertigen, schlecht fotografierten, angegilbten und in der Auflösung nicht ausreichenden Foto aus den 70er Jahren daher. Dieses Foto eines glücklichen Paares mit seinem Neugeborenen scheint aus der Privatsammlung der Autorin zu stammen. Der Hintergrund ist mit gelber Titelschrift – die einen weißen Schlagschatten hat – und alles hat noch einmal einen roten 6 mm breiten Rahmen. Das Layout wirkt, als wäre es in Word „gestaltet“ worden, die Farbauswahl und auch das Foto tragen zu dem ersten Eindruck „unprofessionell“ bei.

Inhaltlich sah es da auf den ersten Seiten etwas besser aus, versprach die Autorin Annelies Ismail doch in ihrem knappen Vorwort, Geschichten von deutschen Frauen zu präsentieren, die eine Beziehung mit einem Ägypter eingegangen waren. Diese hatte sie zum großen Teil erfahren als Reaktion auf ihr erstes Buch „Mein Mann ist Ägypter“, das 2008 erschien. Annelies Ismail schreibt, dass die Beziehungen der meisten Frauen „gut verlaufen sei[en].“ (S. 7) Aber andererseits habe es auch viele Tragödien gegeben. Diese seien hauptsächlich dem neuen Phänomen des „Bezness“ geschuldet seien. Die ägyptischen Männer würden es als rein geschäftliche Angelegenheit betrachten (business), sich eine europäische Frau zu angeln, um dann als ihr Ehemann oder Freund (Beziehung) bereichern zu können, sei es durch eine Ausreise aus Ägypten oder durch das Geld, das die Frau evtl. mitbringt bzw. besitzt. „Um dieser Sache auf den Grund zu gehen, habe ich diesmal auch Geschichten aufgeschrieben, die kein Happy End haben. … In der Anfangsphase ihrer Beziehung sagen sie alle: «Aber mein Ägypter ist anders.» (als die anderen, die nur auf ihren finanziellen Vorteil aus sind).“ (S. 7)

Auf 140 Seite berichtet (bzw. lässt berichten) Annelies Ismail in zehn Geschichten von den mehr oder weniger geglückten Liebesabenteuern deutscher Frauen mit ägyptischen Männern. Ganz offensichtlich hat sie die betreffenden Frauen nach einem festen Schema befragt. Alle Geschichten sind auf die selbe Art und Weise aufgebaut und auch sprachlich kaum voneinander zu unterscheiden, so dass der Eindruck von O-Ton verloren geht und damit auch ihre Einmaligkeit. Leider erfährt der Leser nichts über die Auswahlkriterien für wiedergegebenen Geschichten. Sind sie repräsentativ oder folgen sie einer zufälligen Auswahl?

Die Kommentare, die Frau Ismail bei manchen Kapiteln abgibt, sind laienhafte Versuche psychologischer Erklärungen und hätten besser gestrichen werden sollen.

Nach der Lektüre dieser einzelnen Erfahrungen ist der Leser nicht wirklich bereichert. Denn er weiß auch vorher schon, dass Frauen mit ausländischen Männern sowohl negative als auch positive Erfahrungen machen können.

Mir fehlt der Versuch, die verschiedenen Gründe für derartige Beziehungen herauszuarbeiten und nach Erklärungsmöglichkeiten für ihr Funktionieren oder Nicht-Funktionieren zu suchen – und zwar auf einer abstrakteren, soziologischen Ebene. Auch gesellschaftliche Gegebenheiten werden lediglich am Rande angerissen. Mit keiner Silbe finden etwa Themen wie Sextourismus Erwähnung.

Dass Annelies Ismail auf den letzten 25 Seiten noch ein Tagebuch (vom 25. Januar bis Mitte März) ihrer Erfahrungen in Alexandria während der ägyptischen Revolution von 2011 anfügt, ist zwar gut gemeint, hätte aber eher in einen aktuellen Blog gepasst, da es mit dem Thema des Buches nicht das Geringste zu tun hat.

Mein Fazit: Allein vom Optischen her würde mich das Buch in keiner Weise ansprechen und auch das Inhaltliche ist mehr als oberflächlich. Hätte ich es nicht als Rezensionsexemplar bekommen, würde ich jetzt sagen: Schade um das Geld!

Annelies Ismail: Mein Ägypter ist anders
167 S. Engelsdorfer Verlag, 1. Auflage, Leipzig 2012, ISBN: 978-3862689804

Ein Gedanke zu „Buchbesprechung: Mein Ägypter ist anders

  • 3. Oktober 2014 um 6:37 pm
    Permalink

    Auf diese ziemlich bissige Kritik bin ich gestoßen als ich meinen Namen in Google eingegeben habe. Zuerst freute ich mich dass in diesem, mir unbekannten Magazin, mein Buch besprochen wurde. Apropos bissig, da fällt mir der Ausdruck „Stutenbissigkeit“ ein.
    Sehr schade, Frau Askari, dass Sie den Sinn des Buchs so gar nicht verstanden haben!
    Ich will versuchen es Ihnen zu erklären. Ich schreibe Bücher mit dem Ziel eine Verbindung herzustellen zwischen den Kulturen. Etwas Positives, entgegen der Horrorliteratur über Bezness und „Frauen hinter dem Schleier“ Büchern. Ich möchte auch den vielen Frauen etwas Unterstützung geben, die in einer binationalen Beziehung sind und völlig verunsichert durch ihre deutsche Umgebung. Das gelingt mir ganz gut, wie viele Kritiken und Kontakte beweisen.
    Akademisch soll mein Buch nicht sein, das würden die meisten der Frauen, die ich ansprechen will, auch gar nicht verstehen. Ich habe übrigens sehr viel mehr Paare kennen gelernt als in diesem Buch beschrieben sind. Trotzdem erhebt das Buch keinen Anspruch darauf präsentiert zu sein.
    Dass der Titel ein Privatfoto von mir und meiner Familie ist, haben Sie gut erkannt. Das soll den privaten, alltäglichen Charkter des Buchs unterstreichen. Der Titel wurde von einer professionellen Grafikerin erstellt. Aber sowas ist Geschmacksache.
    Ich kenne Ihren Lebenslauf nicht, nehme aber aufgrund Ihres Namens an, dass Probleme binationalen Ehepaare Ihnen auch bekannt sein dürften. Vielleicht sehen Sie dieses Buch dann unter einem anderen Gesichtswinkel!
    Ich wünsche Ihnen für Ihre Arbeit viel Erfolg und ein bisschen mehr Fingerspitzengefühl!
    Mit freundlichen Grüßen
    Annelies Ismail

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