Jordanien: Prinzessin Wijdan

Prinzessin Wijdan Ali wurde 1939 in Bagdad geboren und 1966 durch Heirat mit Prinz Ali Azim bin Naif von Jordanien zur jordanischen Prinzessin. Nach ihrer Trennung von Prinz Ali nennt sie sich Prinzessin Wijdan al-Hashemi. Amman gehört zu den arabischen Hauptstädten, die auf eine längere Tradition in der Malerei zurückblicken und nicht nur der Pflege dieser Tradition sondern auch weiterer anspruchsvoller Aufgaben widmet sich die Prinzessin. An der Universität London promovierte sie in Geschichte der Islamischen Kunst.

Erfolgreiches Museumskonzept

Museum Eingang © Barbara Schumacher
Museum Eingang © Barbara Schumacher

Die von ihr 1980 gegründete, ursprüngliche „Jordan National Gallery of Fine Arts“ für wechselnde Ausstellungen von Künstlern aus aller Welt wurde durch einen zweiten, durch einen kleinen Skulpturenpark getrennten, gegenüber liegenden Bau erweitert, der die ständige Ausstellung zeitgenössischer, jordanischer Künstler beherbergt – auch viele Kunstwerke der Prinzessin. Dieses erfolgreiche Konzept eines Museums in zwei Bauten mit unterschiedlicher inhaltlicher Zielrichtung stammt von Prinzessin Wijdan, die auch Präsidentin des Museums ist. Da sie ein Jahr zuvor die Royal Society of Fine Arts gegründet hatte, kann man sagen, dass sie in Jordanien im Bereich der zeitgenössischen Kunst eine Schlüsselposition inne hat – als souveräne Botschafterin des haschemitischen Königreichs Jordanien – nicht nur für Kunst, sondern darüber hinaus auch für andere Kulturbereiche und vor allem für die Bildung. In dieser Rolle gelingt es ihr oft, spektakuläre Ausstellungen mit berühmten Werken aus dem Ausland nach Amman zu holen. Zu einer Ausstellung spanischer Meisterwerke vor einigen Jahren kam höchst medienwirksam das damalige spanische Königspaar zur Eröffnung.

Kalligrafie und Sufismus

Nach ihrer eigenen künstlerischen Entwicklung gefragt, erklärt sie: „In den letzten Jahren hat sich mein Stil in Richtung arabische Kalligrafie entwickelt. Darüber hinaus bin ich in zunehmendem Maße vom Sufismus beeinflusst. Am Sufismus interessiert mich die Toleranz. Die Sufis sind die tolerantesten Menschen der Welt. Sie akzeptieren die Menschen wie sie sind. Sie haben 66 Synonyme für das Wort „Liebe“. Zu diesem Thema habe ich immer wieder Bilderserien angefertigt. Ich interessiere mich zunehmend für Poesie und erinnere mich an die Geschichte, als sich in vorislamischer Zeit die Menschen einmal im Jahr zu Füßen der Kaaba trafen und die sieben besten Gedichte auf langen Papierbahnen aufgeschrieben und an die Wand der Kaaba gehängt wurden. Das hat mich zu meinen „hängenden Papieren“ als Installationen inspiriert. Auf diesem Weg will ich weitermachen. Ein Exemplar einer solchen Installation hängt im Museum.“

Kunstprofessorin – Kuratorin – Dekanin

Sie übt viele akademische Tätigkeiten in den Bereichen Kunst, Kultur, Bildung und Diplomatie aus: z. B. Kunstprofessorin an der Universität, Kuratorin und Expertin für islamische Kunst, Kunstgeschichte, Kultur und Philosophie. „Nach Beendigung meiner Tätigkeit als Forschungsdirektorin und Vizepräsidentin des Jordan Institute of Diplomacy habe ich im Dezember 2001 das College of Arts and Design an der Universität Amman gegründet. Dort war ich bis 2006 als Dekanin tätig. Mein Ziel war es, ein College aufzubauen, das mit möglichst wenig Bürokratie und möglichst wenig Hürden für die Studierenden auskommt. Die Aufnahme in das College ist mit einem High School Diplom möglich, außerdem muss man eigene Kunstwerke der letzten 2 Jahre präsentieren, einen Test und ein persönliches Interview bestehen. So können sich die Künstler voll entfalten. Ein Komitee von fünf bis sieben Fachleuten prüft die Arbeiten und der Abschluss orientiert sich hauptsächlich an der Qualität der künstlerischen Werke – er entspricht einem PhD. Das System funktioniert so gut, dass es vom College of Architecture übernommen wurde. Ich bin wirklich stolz darauf, die Bürokratie entfernt zu haben. Bei uns zählt nur die konkrete künstlerische Arbeit. Am 23. Juni 2006 war der erste Graduierten-Jahrgang mit dem Studium fertig, das war auch für mich ein ganz besonderer Moment, den ich bis heute nicht vergessen habe. 65 Studenten, die Musik, Theater, Video-Kunst, Malerei, Bildhauerei, Grafik und Töpferei studiert hatten, machten ihren Abschluss. Das College ist heute unter Wahrung des ursprünglichen Konzepts eine Fakultät der Universität und hat pro Jahr etwa 25 % männliche und 75 % weibliche Studierende. Ich unterrichtete damals selbst 9 Stunden pro Woche.“

Lehrtätigkeiten im Ausland

Auf die Frage nach Lehrtätigkeiten im Ausland meint sie: „Neben der Tätigkeit am College war ich an verschiedenen Universitäten als „Visiting Professor“ eingeladen, z. B. am Women’s College in Atlanta, USA. Dort haben mich zwei Studentinnen gefragt: „Was sagt der Islam über lesbische Frauen? Wenn wir nach Jordanien kommen, können wir uns auf dem Universitätsgelände küssen? Ich habe ihnen geantwortet: Küsst Euch, wo Ihr wollt, ich weiß allerdings nicht, was dann passiert. – In Kopenhagen war ich zu einem Treffen christlicher, muslimischer und jüdischer Studierender eingeladen, um dort über das sich leider hartnäckig haltende Missverständnis des Verbots figürlicher Kunst im Islam zu sprechen.“

Erste Diplomatin Jordaniens bei der UN

Neben ihrer vielfältigen künstlerischen Tätigkeit und den vielen Aufgaben im akademischen Bereich hat Prinzessin Wijdan sich auch auf dem diplomatischen Parkett bewährt. Sie hat eine erstaunliche diplomatische Karriere absolviert: „Ich war die erste Frau im Außenministerium (1962) und die jüngste Diplomatin. Lange Zeit hat meine Familie erfolgreich verhindert, dass ich einen längeren Auslandsaufenthalt akzeptierte. Aber im April 2006 wurde ich als Botschafterin ernannt und trat am 1.10.2006 meinen ersten Posten als Botschafterin des Haschemitischen Königreichs Jordanien in Rom an.“ Sie war außerdem die erste Diplomatin, die Jordanien bei der UN vertrat, und die erste Diplomatin in der UN Generalversammlung.

Ausstellungen und Veröffentlichungen

Museum Werk in der Empfangshalle © Barbara Schumacher
Museum Werk in der Empfangshalle © Barbara Schumacher

Prinzessin Wijdan kann auf über 30 Solo-Ausstellungen zurückblicken, über einen längeren Zeitraum im jährlichen Rhythmus – weltweit. Auch auf zahlreichen Gruppenausstellungen in den Museen dieser Welt ist sie regelmäßig vertreten. Für eine große Solo-Ausstellung Ende 2012 in der namhaften Nabad Galerie in Amman wählte sie ihr Lieblingsthema, nämlich das Sufi-Konzept für die Liebe. Unter dem Thema „Colors of love“ wurden Werke ausgestellt, die in Mixed Media Technik auf verschiedenen Arten handgefertigten Papiers entstanden waren. Für diese Technik, die typische Farbverläufe hervorbringt, ist sie berühmt. Nicht nur als Malerin, sondern auch als Schriftstellerin hat sie sich einen Namen gemacht, indem sie acht Bücher und zahlreiche Artikel über traditionelle und zeitgenössische Kunst veröffentlichte. In vielen öffentlich zugänglichen Sammlungen sind ihre Werke zu sehen z. B. im Britischen Museum in London, im Ashmolean Museum in Oxford, im „National Museum of Women in the Arts“ in Washington, D.C., im „International Museum of Twenty-First Century Arts“ in Kalifornien, in der Nationalen Kunstgalerie in Islamabad, Pakistan, im „Arab Museum of Modern Art“ in Doha, Qatar, um nur einige zu nennen. Private Sammler in Asien, Afrika, Europa und den USA besitzen ihre Werke. Für ihre künstlerischen und kulturellen Verdienste bekam sie Auszeichnungen in Jordanien, Frankreich und Belgien. Heute lebt und arbeitet Prinzessin Wijdan in Amman.

Text:

Barbara Schumacher

Fotos:

Barbara Schumacher und Nabad Galerie (Serie „Colors of Love“)

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