Republik Sudan: Dr. Rashid Diab

Schon lange ist Malerei ein Thema im Land der berühmten „Khartoum School of Art“. Dr. Rashid Diab ist der einzige sudanesische Künstler, der mit künstlerischer Arbeit seinen Lebensunterhalt verdient, sein eigenes Kunstzentrum gründete und auch als Intellektueller weit über die Grenzen der Republik Sudan hinaus bekannt ist. Er war der Kopf hinter den Planungen, als Khartoum im Jahr 2005 Kulturhauptstadt der arabischen Welt war – ein denkwürdiges Jahr mit unvergesslichen Veranstaltungen. Die Visionen von Kunst als Unterrichtsfach in den allgemeinbildenden Schulen, von Kunstzeitschriften, Kunstbüchern und sogar von einem Kunstmuseum konnten aber leider nicht realisiert werden. Es blieb beim einzigen College of Fine and Applied Art der fast 40 Universitäten des Landes – an der Sudan University of Science & Technology in Khartoum.

Maler, Schriftsteller, Architekt und Designer

1957 wurde Rashid Diab in Wad Medani in der sudanesischen Provinz Gezira am Nil geboren. Er malte schon als Junge, studierte Malerei am College of Fine and Applied Art in Khartoum und nutzte die Chance, sich in Europa künstlerisch weiter zu entwickeln bis zu seiner Promotion an der Kunst-Fakultät der renommierten Complutense Universität in Madrid. „Ich wollte ausdrücklich nicht nach England, um Auslands-Erfahrung zu sammeln, sondern ging nach Spanien im Rahmen eines Stipendiums der spanischen Regierung,“ so der Künstler. Die internationalen Ausstellungen, die er in aller Welt (auch in Deutschland) von 1978 bis heute hatte, sind so zahlreich wie die internationalen Auszeichnungen namhafter Kunstmuseen und Kunststiftungen. Er hat die Welt gesehen. Nicht nur als Maler ist er berühmt sondern auch als Schriftsteller – mehrere Bücher über Kunst sind veröffentlicht – und als Architekt und Designer von Häusern, der gesamten Innendekoration, einschließlich Möbeln und Kleidung. Er trägt die von ihm entworfene „Rashid Fashion“ Kollektion – vorrangig kunstvoll bestickte Galabiyas und Schals für den Turban in eigenem Design, die aus sudanesischem Baumwollstoff von einer Firma im Emirat Sharjah (VAE) produziert werden.

Rashid Diab Arts Centre

Nachdem bereits in seinem Privathaus eine eigene Kunstgalerie – Dara Art Gallery – existierte, eröffnete der Künstler im Sommer 2006 in der Nähe des internationalen Flughafens von Khartoum sein eigenes Kunstzentrum, das Rashid Diab Arts Centre (RDAC) und baute es kontinuierlich zu einem veritablen Ort der Kunst und Kultur aus, der inzwischen zum beliebten „Kulturtempel“ avancierte. Schon das Eingangstor verrät, dass hier ein Künstler wirkt und gleich dahinter ist der mit Keramikmosaik geschmückte Boden mit passenden Bänken ein Kunstwerk, bei dem man ständig Neues entdeckt. Beim Bau blieb nichts dem Zufall überlassen: Ob Kuppeln, Balkone, handbemalte Glasfenster, Gartengestaltung – man ist von Kunstwerken umgeben. RDAC ist die einzige Institution dieser Art im Land und spiegelt die Weltoffenheit des Künstlers unter Wahrung seiner sudanesischen Wurzeln und sein Engagement für den künstlerischen Nachwuchs im Rahmen einer Kunstschule für Jugendliche. Regelmäßig finden Workshops statt mit internationalen Künstlern, die während ihres mehrwöchigen Aufenthalts im Zentrum wohnen. Die Workshops sind mit professioneller, technischer Einrichtung für die verschiedensten Kunstarten ausgestattet. Es gibt mehrere Kunstausstellungen pro Jahr und im großen Skulpturen-Garten des RDAC treffen sich Kulturinteressierte wöchentlich zu auch von den Medien mit Spannung verfolgten Veranstaltungen auf einer großen Bühne mit Musik, Vorträgen und Dichterlesungen. Im Erdgeschoss des Gebäudekomplexes aus mittlerweile fünf Häusern gibt es ein Restaurant.

Tiere aus Lehm im Kindergarten

Gern erzählt er, wie alles begann: „Mit vier Jahren, als ich noch im Kindergarten war, fing ich an, mich künstlerisch zu betätigen: Ich fabrizierte Kamele, Löwen, Elefanten aus Lehm und eines Tages schenkte mir meine Lehrerin einen Farbmalkasten. Den versteckte ich immer unter meinem Kopfkissen.“ Auf die Frage nach Unterstützung durch seine Familie meint er: „Ich wuchs in einer eher künstlerfeindlichen Umgebung auf. Aber in der Schule war ich immer der Beste im Kunstunterricht. Meine Bilder wurden ausgestellt und es gelang meiner Lehrerin, die mein Talent erkannte, sogar, meinen Vater zu überzeugen. Mein Vater war Verwaltungsangestellter, ich war als jüngstes von 14 Geschwistern der Liebling meiner Mutter. Einige meiner sehr viel älteren Brüder förderten meine Talente. Manchmal kauften sie mir Bilder ab, sie lobten mich vor anderen, aber nie direkt, entsprechend dem sudanesischen Sprichwort: Einen Sudanesen in seiner Anwesenheit zu loben, ist wie ihn zu verletzen. Ich war in der Secondary School sehr produktiv und schaffte den Eintritt ins College.“

Vom Rebell zum Universitätsdozent

„Die Zeit am College war einerseits interessant und arbeitsreich, andererseits problematisch, weil ich mich als „Rebell“ produzierte. Ich kritisierte Lehrer, die nur einen Wunsch hatten, nämlich auf der Stelle zu treten. Ich lechzte nach Literatur und in der Bibliothek fand ich viele Kunstbände über die Geschichte der Kunst in anderen Ländern, aber nichts über die Geschichte der Kunst im Sudan. Ich habe Professoren und den Dekan darauf angesprochen und keine Antworten bekommen. Also habe ich beschlossen, zum Thema „Geschichte der zeitgenössischen Kunst im Sudan“ zu promovieren. Heute fühle ich mich meiner Kunst vollkommen verpflichtet.“ – Seit er aus Europa in seine Heimat zurückgekehrt ist, engagiert er sich dafür, die kulturelle Situation im Land zu verbessern. Er ermutigt die Menschen darüber nachzudenken, wie sie ihre eigene Identität entwickeln und was sie für das Land tun können. Seit 2011 lehrt er an der Universität, die Ahfad University for Women in Omdurman hat ihn um Beratung bei der Erstellung eines Kunst-Curriculums gebeten.

Präzise Aussage und magische Vision

Seinen Malstil bezeichnet er selbst als semi-figurativ. Sein Werk reflektiert eine Synthese aus seinem sudanesischen Erbe und dem Bewusstsein zeitgenössischer, künstlerischer Entwicklung in Europa. Darstellungen und Symbole seiner Bilder reichen von arabischen Inspirationen und Kalligraphie über Tiere, Menschen und traditionelle Volks- und historische Motive bis zu mythischen und maskenähnlichen afrikanischen Motiven. Dies drückt sich nicht nur in seinen Bildern aus sondern auch in den von ihm geschaffenen Objekten. Seine Anwendung der Kalligraphie und des kalligraphischen Designs haben auch ästhetischen Wert. Ob Zeichnung oder Gemälde: Er beherrscht das jeweilige Medium in Kombination mit präziser Aussage und magischer Vision. Dadurch erhält sein Werk jenen besonderen Stil.

Frauen schweben zwischen Wüste und Himmel

Rashid Diab ist berühmt für seine Bilderserien, z. B. die Serie „Frauen in der Wüste“, die die in bunte Voile gekleideten, sudanesischen Frauen als halbabstrakte, ausdrucksstarke Silhouetten, in denen man typische Körperhaltungen erkennt, in unendlich vielen Varianten darstellt. Die Frauen treten oft in Gruppen auf, sie scheinen zwischen Wüste und Himmel zu schweben – wie in der Realität. Dieses Thema beschäftigt ihn in seiner Kunst ohne Pause – vielleicht in Erinnerung an seine Mutter, die dem Jüngsten der Familie Selbstvertrauen und Selbstbewusstsein schenkte?

Internet:

www.rashiddiabartscentre.net

Text und Fotos:

Barbara Schumacher

Ein Gedanke zu „Republik Sudan: Dr. Rashid Diab

  • 20. September 2015 um 3:27 pm
    Permalink

    Gefaellt mir gut.gibt es weitere werke im museum anzusehen?

    Antworten

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.