Tunesien: Nja Majdaoui

Er gehört als „Urgestein der Kunst“ seit vielen Jahren zu den international bekanntesten und erfolgreichsten Künstlern und Kalligrafen Tunesiens und der arabischen Welt. Als eine der besten und erfolgreichsten Galerien zeitgenössischer Künstler in Tunesien gilt die 1994 gegründete Galerie El Marsa im Stadtteil El Marsa in Tunis – mit Zweigstelle in Dubai. Sie ist die Galerie des intellektuellen Künstlers, der sich oft selbst als „Buchstaben-Choreograf“ bezeichnet. In El Marsa befinden sich Haus und Atelier. – Auch als Autor hat er sich einen Namen gemacht mit seinem Buch „Le Maitre d’Amour“ über den andalusischen Sufi Ibn El Arabi, der im 12. Jahrhundert in Andalusien lebte.

Spektakuläre Kunstobjekte und Performances

Der 1937 in Tunis geborene Nja Majdaoui graduierte an der Kunstakademie von Santa Andrea in Rom und an der Orientabteilung der École du Louvre. Er hatte Ausstellungen in vielen Ländern, wurde mit zahlreichen nationalen und internationalen Preisen ausgezeichnet, auch mit dem „Grand Prix des Arts et des Lettres“ seines Landes. Er hat sich nicht nur durch seine einzigartige Kalligrafie-Kunst einen Namen gemacht sondern auch durch spektakuläre Kunstobjekte und Performances, die sich dadurch hervortun, dass sie interaktive Kommunikation zwischen Künstlern aus aller Welt einbeziehen und auch in die Bereiche Tanz und Theater reichen. Am bekanntesten ist er mit solchen Aktivitäten u. a. in Tunesien, Frankreich, Italien, Dänemark, Japan, Kuba, Kanada, Jordanien und Deutschland. Die Zahl der ihm verliehenen Preise und Auszeichnungen auch auf diesem Gebieten ist groß. Besonders erwähnenswert ist seine Mitgliedschaft in der Internationalen Jury des Arts Prize der UNESCO.

Kalligrafie: Begeisterung für Bewegung und Raum

Kalligrafie ist sein Markenzeichen. Er drückt damit seinen unbändigen Freiheitsdrang aus. Damit erneuert er seine eigenen kulturellen Wurzeln. Allerdings sprengt er mit der Begeisterung für Bewegung und Raum buchstäblich alle Rahmen: Die Buchstaben entwachsen einer konkreten Bedeutung, sie machen sich selbständig, generieren ihr eigenes Wesen, zollen Tribut an graphische Schönheit im Wettstreit mit ungewöhnlich komponierten Farbflächen und sie begnügen sich nicht mit der eigentlichen „Bildfläche“, insbesondere bei den Werken auf unregelmäßigen, „auseinanderfließenden“ Pergamentflächen. Neben diesem Material arbeitet Nja Mahdaoui auf Papier, Leinwand, Metall, Leder und weiteren Oberflächen. Berühmt sind auch seine Skulpturen. Damit ist der Schritt nicht weit zum menschlichen Körper, denn erst hier gelingt – in einer ganz neuen Ausdrucksart – die Bewegung: Der Buchstabe, der längst keiner mehr ist, genießt auf dem tanzenden Körper die vollkommene Freiheit. Das ist Ausdruck der Freiheit, die der Grandseigneur der arabischen Künstler für sich beansprucht und dem Betrachter anbietet.

Bemalte Flugzeuge von Gulf Air

Mit seiner Kunst hat er sich in Bauwerken verewigt, z. B. in den monumentalen Glasfenstern der Internationalen Flughäfen von Jeddah und Riyadh, der Moschee auf dem Gelände der ARAMCO Zentrale in Dhahran, Saudi-Arabien, und in einem Gebäude in Tunis. Spektakuläre Arbeiten flogen jahrelang durch die Welt: Vier Flugzeuge von Gulf Air, der 1950 gegründeten staatlichen Fluggesellschaft des Königreichs Bahrain, durfte er bemalen. Den entsprechenden Wettbewerb unter vielen internationalen Künstlern, der zum 50-jährigen Jubiläum der Fluggesellschaft ausgeschrieben worden war, hatte er gewonnen. Leider wurden die vier Flugzeuge inzwischen wieder der allgemein gültigen Außengestaltung der Airline angepasst. Sein typisches Kalligrafie-Design findet sich auch auf Damenroben, monumentalen Wandteppichen, Schmuck und Postern.

Aktiv auf Kunstmessen in den Vereinigten Arabischen Emiraten

In den letzten Jahren hatte er ein Lieblingsziel: die Vereinigen Arabischen Emirate. 2006 war er beispielsweise Ehrengast und Jurymitglied der Sharjah International Arabic Calligraphy Biennale, 2008 ebenfalls Ehrengast anlässlich der „Frankreich-Woche“, die von der Abu Dhabi Music and Arts Foundation und der Ghaf-Gallery (beste Kunstgalerie in Abu Dhabi) im prestigeträchtigen Emirates Centre for Strategic Studies and Research in Abu Dhabi organisiert wurde. Seit Beginn der jährlichen Kunstmessen Abu Dhabi Art (Herbst) und Art Dubai (Frühjahr) ist er mit zahlreichen Werken auf dem repräsentativen Stand der auf diesen Messen ausstellenden El Marsa Galerie vertreten, stets persönlich anwesend und von Besuchern, darunter vielen jungen Leuten, umlagert. Alle seine ausgestellten Werke wurden bisher dort verkauft. Auf die Frage, welche dieser beiden Kunstmessen in den VAE er lieber besucht, meint er: „Anfangs fand ich die Art Dubai professioneller, aber die Abu Dhabi Art hat inzwischen aufgeholt und sowohl Organisation als auch die Ausstellungsorte auf der mit Abu Dhabi verbundenen Insel Saadiyat sind genauso großzügig wie in Madinat Jumeirah in Dubai. In Abu Dhabi habe ich sehr gute Kontakte geknüpft, z. B. zur Kunstgalerie Bait Al Muzna in Omans Hauptstadt Muscat und ihrer Inhaberin Susan Al Said. Sie hat spontan ein Bild von mir gekauft und mich 2010 zu einer Solo-Ausstellung nach Muscat in die Galerie eingeladen, die ich in äußerst guter Erinnerung habe.“ Kunstmessen in den Emiraten ohne Nja Mahdaoui? – Undenkbar! Deshalb ist er auch auf den aktuellen Veranstaltungen wieder dabei. Im Jahr 2014 zog ihn noch ein weiteres Land auf der arabischen Halbinsel an. In Saudi-Arabien, vertraut von früheren Arbeiten, stellte er gleich zweimal aus: in Jeddah und Medina.

Großformatiges Kunstbuch

Als bei einer denkwürdigen und sehr umfassenden Ausstellung von Nja Mahdaouis Werken sowohl in der Meem Galerie in Dubai als auch im Schwesterunternehmen, der Ghaf Galerie in Abu Dhabi, der Wunsch nach einem Buch zur Ausstellung laut wurde, holte man sich kurzerhand die Erlaubnis für den limitierten Nachdruck eines DIN A 3 großen Kunstbuchs, das bereits 2007 bei Art Advisory Association in London erschienen war und einen sehr guten Überblick über die Kalligrafie-Werke des Künstlers bietet. Abdelwahab Bouhdiba, der Vorstand der Tunesischen Akademie für Wissenschaft und Kunst würdigt darin das Unternehmen des Künstlers, die eigenen kulturellen Wurzeln auf ein neues Fundament zu stellen. Interessant ist das Buch auch wegen zahlreicher Textbeiträge des Künstlers selbst, u. a. zum Thema „Letters and Calligraphy“. Großzügig wurde das wertvolle Buch an interessierte Besucher der Ausstellung kostenlos abgegeben. Die Finanzierung erfolgte durch die Sponsoren der Ausstellung und die Inhaber beider Galerien, Mitglieder der wohlhabenden Kanoo Unternehmerfamilie, die erfolgreich in den Golfstaaten mit Firmen verschiedener Branchen unter dem Logo „The Kanoo Group“ operiert. Diese Verbindung ist ein interessantes Beispiel dafür, wie sich Kunst und Kommerz gegenseitig fördern können – eine Erfahrung, die in der arabischen Welt eine relativ neue Entwicklung darstellt.

 Internet:

www.nja-mahdaoui.com
www.galerielmarsa.com

Text und Foto des Künstlers:

Barbara Schumacher

Alle übrigen Fotos:

Nja Mahdaoui

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