VAE: Abdulqader Al Rais

Der aus Dubai gebürtige Abdulqader Al Rais (Jahrgang 1951) gilt als einer der prominentesten Künstler der arabischen Halbinsel, dessen Erfolg weit über die Grenzen seines Landes reicht, wie ein Besuch des Britischen Museums in London zeigt, das 2007 ein großes Gemälde von ihm für die Ausstellungshalle internationaler Künstler erworben hat.

Werke am Flughafen Dubai

Er ist der einzige Künstler der Emirate, der nur von Malerei lebt und keiner anderen Tätigkeit nachgeht, um seinen Lebensunterhalt zu verdienen. Er machte seinen Bachelor 1985 an der UAE University, der ältesten Uni der VAE in Al Ain. In der Kunst ist er Autodidakt. Die vierzehn monumentalen Wandbilder aus Lavagestein in der Al Rashid Halle am Flughafen Dubai stammen von ihm, auch die VIP-Halle am Dubai Airport ist mit seinen Werken geschmückt. Sein Haus mit Atelier befindet sich in Sichtweite des Hotels Burj Al Arab in Dubai. Beim Betreten des Ateliers stockt der Atem: Nicht nur die Vielzahl der meist großformatigen Gemälde sondern die verschiedenen Stilrichtungen – gegenständlich, abstrakt, Symbolistik und Kalligrafie – erstaunen. Auffallend sind die leuchtenden Farbkombinationen und die meisterhafte Interpretation von Licht und Schatten.

Gegenständlich bis abstrakt

Der Künstler erzählt: „Als Kind fertigte ich Bleistiftzeichnungen, meist Portraits, an. Mit der gegenständlichen Aquarell-Malerei von Menschen meiner Umgebung, traditionellen Szenen und Architektur – vor allem von traditionellen Türen und Windturmhäusern, die heute noch restauriert im Bastakiya Viertel am Dubai Creek existieren – habe ich mich danach befasst und bin damit auch bekannt geworden. In diesen Gemälden steckt sehr viel Arbeit, manchmal male ich mehrere Monate an einem einzigen Bild. Vor etwa 15 Jahren meinten meine Kollegen, ich könne nicht abstrakt malen und haben mich geradezu herausgefordert. Die Herausforderung habe ich angenommen und überraschenderweise festgestellt, dass ich es kann und dass es mir Freude macht. Ich male fast ausschließlich mit Wasserfarben und habe schließlich den Reiz entdeckt, neben dem Schaffen rein gegenständlicher und rein abstrakter Gemälde innerhalb eines Gemäldes abstrakte und gegenständliche Elemente miteinander zu verbinden, wobei auch geometrische Formen, wie kleine quadratische Flächen, eine Rolle spielen. In letzter Zeit sind in geringem Ausmaß Ölfarben hinzugekommen.”

Rasante Kunstentwicklung in den Emiraten

Auf die Frage, wie er die rasante Entwicklung der Kunst in seinem Land erfahren hat, meint er: „Die Anfangsjahre waren sehr mühsam, denn Maler genossen in den Emiraten wenig Ansehen: Den Menschen fehlten einfach Wissen und Verständnis. Durch die Tradition der Beduinen waren sie an Poesie gewöhnt, hatten jedoch keinerlei Bezug zur Malerei. Das hat sich in den letzten 20 Jahren grundlegend verändert, ganz besonders seit der Vizepräsident der Emirate und Herrscher von Dubai Sheikh Mohammed bin Rashid Al Maktoum das Sagen hat. Kunst und Künstler werden von verschiedenen Institutionen gezielt gefördert. Es werden attraktiv dotierte Preise ausgeschrieben. Hinzu kommt, dass immer mehr gebildete Emiratis von ihrem Auslandsstudium in Europa und USA zurückkehren. Sie sind dort mit Kunstgeschichte und Malerei in Berührung gekommen, entwickeln Bewusstsein und Interesse für die zeitgenössischen Künstler in der Heimat und investieren in zeitgenössische arabische Kunst.“

Eigene Galerie und eigenes Kunstmuseum?

Nach Vergangenheit und Zukunft befragt, meint er: „Ich fühle mich verpflichtet, etwas für mein Land zu tun. Mein ganzes Leben lang habe ich gemalt und ich möchte jungen Nachwuchskünstlern in noch größerem Umfang als bisher etwas von meinem Wissen und meiner Erfahrung vermitteln. Daher führe ich regelmäßig Workshops für junge Talente durch. Ich plane, eine eigene Galerie im Dubai Cultural Village und ein eigenes Kunstmuseum zu eröffnen. Bei einer großen Ausstellung der Künstlerpioniere aus den sechs Golfstaaten im Jahr 2007 in Riyadh (Saudi-Arabien) habe ich mein Land vertreten. Die Künstler der Golfstaaten kennen sich sehr gut. In Kuwait, Bahrain und Qatar gibt es eine längere Tradition der Malerei, die dortigen Kunstgesellschaften haben viele Mitglieder und waren bereits aktiv, als die Emirates Art Society in Sharjah gegründet wurde. Dank der Initiative des Herrschers von Sharjah, Sheikh Dr. Sultan bin Mohammed Al Qasimi, der 1991 die erste und bisher einzige Kunst-Biennale auf der arabischen Halbinsel etablierte, bekamen wir damit die einzige Kunst-Institution der Emirate.“ Als Sharjah 1998 Kulturhauptstadt der arabischen Welt war, wurde das Sharjah Art Museum, das bislang noch einzige Kunstmuseum der Emirate, eröffnet. Dort fand eine unvergessliche Ausstellung des Künstlers vom 3.10.-30.11.2012 unter dem Motto „Lasting impressions“ statt. Der gesamte, für wechselnde Kunstausstellungen vorgesehene Teil des Museums zeigte eine einmalige Präsentation von Werken des Künstlers aus allen Schaffensperioden, dokumentiert in einem opulenten Ausstellungskatalog.

Preise und Auszeichnungen wie Sheikh Zayed Award

Auf allen Kontinenten waren seine Werke zu sehen und die Aufstellung der Auszeichnungen ist lang. Unter anderem gewann er den ersten Preis des prestigeträchtigen Sheikh Zayed Awards, der fünf verschiedene Disziplinen (Malerei, Dichtung, Medizin, klassische Musik und Geschichte) umfasst und 2006 erstmals vergeben wurde. Wer den Anblick seiner Werke in Deutschland bei der Gemäldeausstellung des Pavillons der Emirate auf der EXPO 2000 in Hannover verpasst hat, kann das nachholen, denn jedes Jahr im Sommer hat er eine Einzelausstellung in Kitzingen, auf Einladung des Bürgermeisters – seit 1989. Bei den jährlichen emiratischen Kunstmessen Art Dubai (Frühjahr) und Abu Dhabi Art (Herbst) erregt er stets Aufsehen auf dem Stand der ihn vertretenden Hunar Art Gallery mit seinen großformatigen Werken. Bei solchen Veranstaltungen ist er nicht nur – ruhig und bescheiden – von internationalen Medienvertretern umlagert, sondern auch von vielen jungen Leuten, die seine Kunst unmittelbar anspricht. Die große Anhängerschar bekommt zu Neujahr einen elektronischen Gemäldegruß. Sein Buch „The colours of my life“ ist äußerst begehrt.

Arabische Kunst bei Sotheby’s und Christie’s

Eindeutiges Anzeichen für das wachsende Interesse von Liebhabern arabischer Kunst ist die Tatsache, dass Sotheby’s und Christie’s – seit vielen Jahren auch in den Golfstaaten präsent – Erlöse aus dem Verkauf von Werken arabischer Künstler im Wert von rund 100 Mio. US Dollar pro Jahr mit stark steigender Tendenz verzeichnen. Abdulqader Al Rais ist dabei. Bei einer Kunst-Auktion erzielte eines seiner Werke den bisher höchsten Preis, der je für ein Kunstwerk aus den Emiraten gezahlt wurde: 250.000 US Dollar. Es gibt noch eine andere Möglichkeit, in den Besitz eines seiner Gemälde zu gelangen: Staatsoberhäupter, die bei Sheikh Mohammed bin Rashid Al Maktoum zu Gast sind, bekommen ein Gemälde von Abdulqader Al Rais als Gastgeschenk.

Internet: alrais-art.com

Text und Fotos: Barbara Schumacher

2 Gedanken zu „VAE: Abdulqader Al Rais

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