4. Orientalische Musik-Sommerakademie in Sulzburg

„Mama, hör auf zu singen.“

„Warum?“

„Du singst falsch.“

Das sagte mir meine Tochter vor einigen Jahren. Dabei habe ich immer gern gesungen, schon als Kind mit meiner Mutter, später im Kirchenchor und dann mit meinen eigenen Kindern. Dass ich die Töne nicht immer richtig treffe, war mir schon bewusst, aber dass es so schlimm ist, war dann doch ein Schock für mich. Daher hatte ich mich im letzten Jahr auf der 3. Orientalischen Musik-Sommerakademie Badenweiler auch eher aus journalistischem Interesse in den Gesangsworkshop von Naziha Azzouz verirrt. Aber da wir nur zwei – mit mir! – Teilnehmerinnen waren, blieb ich. Wieder zu Hause, trug ich die drei neuen Lieder, die ich dort gelernt hatte, wie einen Ohrwurm mit mir herum. Nun rückte der Termin für die nächste Orientalische Musik-Sommerakademie immer näher und ich freute mich darauf, dass ich in diesem Jahr „richtig“ teilnehmen würde.

Aller Anfang ist schwer

Diesmal waren sieben Teilnehmer angemeldet, u.a. sollten zwei professionelle Sängerinnen dabei sein. Das machte mir schon ein wenig Sorgen, denn ich habe weder eine besonders schöne Stimme noch ist sie besonders ausgebildet. Und sehr schnell ist meine Auffassung auch nicht gerade, wenn es um das Erlernen von neuen Melodien geht.

Naziha Azouz, 4. Orientalische Musik-Sommerakademie, Foto: Ulrike Askari
Naziha Azouz, 4. Orientalische Musik-Sommerakademie, Foto: Ulrike Askari

„Wir fangen am besten mit den einfachen Stücken vom letzten Jahr an, zum Einsingen.“ Das war für mich ein Glück, denn die neuen Stücke, die uns bereits seit drei Wochen in Noten und arabischem Text sowie Umschrift vorlagen, waren ausgesprochen schwer. Dennoch hatte ich mich in eines davon verliebt und freute mich darauf, es gemeinsam zu erarbeiten. Aber noch bevor der erste Vormittag vorbei war kam es zu Unstimmigkeiten.

„Der Kurs ist schlecht vorbereitet,“ hieß es von Seiten der Profis. Sie wollten immer wieder eine Übersetzung der Texte und den Text dann auch zum Mitsingen unter den Noten notiert haben. Ich fragte mich bei dem Hin und Her, wer da schlecht vorbereitet war. Ich hatte mir die Noten und den Text ausgedruckt, die Lieder auf Youtube gesucht – und gefunden – und hörte sie seitdem den ganzen Tag rauf und runter. Ebenfalls Ohrwurm verdächtig!

Tipps und Tricks

Nach Bedenken und Überlegungen seitens der Dozentin, den ganzen Workshop völlig umzustrukturieren, zeigte es sich am nächsten Morgen, dass die zwei „Störenfriede“ das Weite gesucht hatten. Zur allseitigen Erleichterung. Jetzt begann Naziha mit dem Einsingen und lockern der Stimmbänder, wobei sie auch ein wenig auf die typisch arabische Singweise mit dem schönen, weichen Vibrato und den vielen Verzierungen und Melismen einging. Wir restlichen fünf Damen schlugen uns tapfer mit der arabischen Sprache und Gesangsweise und haben auf der Abschlusspräsentation zwei Lieder vorgetragen, die so mancher Araber nicht singen kann. Das macht schon stolz und es macht großen Spass, mit den anderen Teilnehmern aus den Perkussions-, Oud- und Qanunworkshops gemeinsam zu spielen und zu singen.

Tage voller Musik

Eines hat sich für mich deutlich gezeigt in dem Problem mit den unterschiedlichen Niveaus der Teilnehmern: Es ist vielleicht an der Zeit, das Konzept nach vier Jahren Praxis zu überarbeiten, um den Interessen aller Teilnehmer mehr gerecht zu werden. Ansonsten waren es wohl für alle Teilnehmer aus der Schweiz, Deutschland, Frankreich, Österreich, Belgien, Luxemburg, England, Spanien und Tschechien wundervolle Tage, die erfüllt waren mit Musik und vielen interessanten Begegnungen mit alten und neuen Bekannten, geprägt von Austausch, Lernen und Freude. Zu dem allgemeinen Wohlfühlen trug sicher auch die herrliche Lage des Veranstaltungsortes bei, der Grundschule in Sulzburg, direkt am Waldrand oberhalb des Ortes gelegen, in dem alles fussläufig erreichbar ist. Noch dazu lachte die Sonne vom Himmel, als wenn sie möglichst viel von der Musik mitbekommen wollte. Die beiden Abendkonzerte mit einigen der Dozenten in der schön restaurierten ehemaligen Synagoge waren sehr gut besucht, was ebenso für das Interesse in der Umgebung spricht wie die Tatsache, dass der Bürgermeister des Ortes die Dozenten persönlich begrüßen kam. Lieder hatte er bereits anderweitige Verpflichtungen, versprach aber, im nächsten Jahr dabei zu sein.

Da kann ich nur sagen: „Zouruni kulle sanna marra …“ („Besuch mich jedes Jahr einmal …“)*

* Ein bekanntes Muwashah von Sayed Darwish

 

Text und Fotos: Ulrike Askari

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