Buchbesprechung: Die Damaszener Trommel

Der Klappentext verspricht „Eine ebenso spannende wie humorvolle, tiefgründige wie lehrreiche Liebes- und Abenteuergeschichte über Verlust und Neubeginn, über den Auszug aus der eigenen kleinen Welt und das Erwachen im großen Unbekannten.“ Hauptakteure sind Daud, der Kaufmann, dessen Aufstieg und Fall geschildert wird. Unprätentiös und schlicht, ohne je ein Wort der Klage oder des Jammers nimmt der Held sein Schicksal an. Sein treuer Begleiter ist – so ganz unspirituell – ein alter Ziegenbock.

Fast eine Nebenfigur ist die Heldin des Buches, Takla eine junge Frau, die als Köchin in einem Kloster arbeitet und Daud, ihrem Traummann, über den Weg läuft und ihn für lange Zeit wieder aus den Augen verliert.

Viele Schilderungen zeigen deutlich, dass der Autor ein großer Kenner der Region und auch der Sitten und Gebräuche, der Geschichte und politischen Verwicklungen ist. Dennoch ist die Handlung mal mehr mal weniger phantastisch. Es treten Dämonen und sprechende Ziegenböcke, Trommeln, die kommunizieren und viele weitere märchenhafte Elemente auf. Dem gegenüber spielt ein erheblicher Teil der Geschichte aber auch im ganz alltäglichen Leben.

Die Entwicklung des Helden Daud wird – für meinen Geschmack – nicht deutlich genug. Denn er klagt von Anfang an über nichts, akzeptiert sein Schicksal und ist nie aggressiv oder enttäuscht, missmutig oder einfach nur mal schlecht drauf. Dafür gibt es eine ganze Reihe von anderen schlechten Charakteren.

Was die angekündigten spirituellen Lehren betrifft, habe ich mich entweder nicht tief genug darauf eingelassen oder sie bleiben tatsächlich sehr an der Oberfläche. Es wird zwar an einer Stelle einmal ein Dhikr-Abend geschildert, aber was den Dhikr ausmacht, bleibt leider sehr wage formuliert. Noch weniger erfährt der Leser, was ein Dhikr bei den Teilnehmern bewirkt. Und dass eine derartige Übung zur spirituellen Öffnung für Allah (oder Gott) mit Alkohol abgekühlt wird, ist eher unwahrscheinlich.

Für mich ist die „Damaszener Trommel“ ein netter Liebesroman im Gewand eines modernen Märchens, der aber auch nicht so fesselnd war, dass ich ihn verschlungen hätte.

Wegen der Schilderungen der syrischen Küche, des Treibens im Basar und einiger anderer Highlights bekommt das Buch „Die Damaszener Trommel“ von mir 3 Sterne.

Christopher Ryan: Die Damaszener Trommel. Eine spirituelle Liebes- und Abenteuergeschichte,
291 S., Chalice Verlag, 2014, ISBN: 978-3942914215

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