Abu Dhabi Kunst Festival 2015

Die von Huda Al Khamis Kanoo im Jahr 1996 gegründete Abu Dhabi Music & Arts Foundation (ADMAF) ist auf vielen Gebieten von Kunst und Kultur tätig. Huda Kanoo wurde für ihre Verdienste, die sie sich für die Förderung von Kunst und Kultur erwarb, mit zahlreichen international renommierten Preisen ausgezeichnet.

ADMAF genießt höchstes Ansehen

Präsident von ADMAF ist Sheikh Nahyan bin Mubarak Al Nahyan, Mitglied des Herrscherhauses des Emirats Abu Dhabi, früher Minister für höhere Bildung, heute Minister für Kultur und Jugend. ADMAF organisiert u. a. jährlich ein mehrwöchiges Musik-Festival, das inzwischen durch Gastspiele namhafter internationaler Orchester und Solisten zu einem wichtigen Bestandteil der reichen Kulturszene in Abu Dhabi geworden ist. Zusätzlich zu dem vielfältigen, klassischen Musikprogramm gibt es jährlich auch eine anspruchsvolle Kunstausstellung. ADMAF pflegt eine online Liste The Nationals’ Gallery, in der Mitglieder der emiratischen Kunstszene erfasst sind.

Deutsche Kuratorin für arabische Kunst

Vom 21. März bis 20. April 2015 findet in der Gallery No. 1 des Emirates Palace Hotels eine Kunst-Ausstellung der besonderen Art statt. ADMAF und der international erfahrenen deutschen Kuratorin und studierten Kunsthistorikerin Karin Adrian von Roques ist es gelungen, den von ihr kuratierten Teil der Ausstellung von Fotos, Videos und Mixed Media Werken arabischer Künstler, die bereits im Rahmen der FotoFest-Biennale unter dem Titel View from Inside in Houston, Texas 2014 zu sehen war, nach Abu Dhabi zu holen – der ersten Station einer Ausstellungstournee.

View from Inside: Prominenz bei der Eröffnung

Sheikh Nahyan bin Mubarak Al Nahyan hat die Schirmherrschaft über die Ausstellung übernommen und er eröffnete am 20. März 2015 das Kunstspektakel unter den Augen zahlreicher Medienvertreter und viel Prominenz aus der internationalen Kunstszene. Wendy Watriss, FotoFest Mitbegründerin und Kuratorin aus den USA ist genauso anwesend wie Mohammed Abdul Latif Kanoo, Unternehmer der Kanoo-Gruppe, Künstler, Kunstsammler, Kunstmäzen sowie Gründer und Inhaber der Ghaf-Galerie in Abu Dhabi und seine Ehefrau, die aus Syrien stammende Huda Kanoo.

„Ich bin sehr bewegt im Hinblick auf die vielen interessierten und prominenten Besucher aus aller Welt, die den Weg hierher gefunden haben,“ so Karin Adrian von Roques, die sich auch über die vielen Studentinnen freut, die von den Kunst-Fakultäten verschiedener Universitäten Abu Dhabis gekommen sind und sich eine solche Gelegenheit der Begegnung mit arabischer Kunst nicht entgehen lassen wollen.

Kunstwerke aus der arabischen Welt

In der Ausstellung View from Inside sind 140 Werke von 35 Künstlern aus Bahrain, Ägypten, Irak, Libanon, Marokko, Oman, Palästina, Qatar, Jemen und Syrien zu sehen. Die marokkanische Künstlerin Lalla Essaydi kreiert orientalisch anmutende Szenen, wobei sich die von weitem als Grau- oder Schattenflächen erscheinenden Teile der Kunstwerke bei näherem Betrachten als eine Ansammlung von arabischen Schriftzügen herausstellen. Saudi Arabien ist mit der größten Anzahl von Künstlern, nämlich neun, vertreten: Sami Al Turki (mit Beispielen seiner Landschafts- und Architekturfotos), Manal Al Dowayan (die ebenfalls bei keinem ihrer Werke ohne arabische Schriftzüge auszukommen scheint, wie auch in den Werken ihrer Serie The State of Disappearance), Ahmed Mater (mit Fotos seiner Serie der Bauwut in Mekka), Faisal Samra (mit Fantasiefiguren), Jowhara Al Saud (mit Werken der Serie Out of Line), Shadia Alem, Ayman Yossri Daydban, Abdulnasser Gharem (dessen Bilder durchaus an seine militärische Karriere erinnern) und Reem Al Faisal (mit s/w Fotos ihrer legendären Mekka- Aufenthalte) stammen aus der international bekannten saudischen Kunstinitiative Edge of Arabia.

Künstlerischer Ausdruck aktueller Konflikte

Beeindruckend ist die Vielfalt der Werke, die sich oft durchaus kritisch mit Tradition und Moderne auseinandersetzen unter Berücksichtigung regionaler und globaler Aspekte mit ihren konkreten Auswirkungen auf Leben und Arbeit zeitgenössischer Künstler in der arabischen Welt. Rätsel geben die 7 Fotos von Paaren der jemenitischen Künstlerin Bushra Al Mutawakel auf – unter dem Titel What if …? blüht die Phantasie. Künstler der jeweiligen Länder thematisieren auch die aktuelle Lage in Irak und Syrien, die in eindringlicher Weise künstlerisch verarbeitet wird. Von diesen Werken bleibt vielleicht Goya’s dritter Mai 1808 am längsten im Gedächtnis: Die bekannte Szene hat der syrische Künstler Tammam Azzam in eine zerstörte Häuserfront in Syrien 2013 transferiert.

„Emirati Insights“

ist sozusagen eine Unter-Ausstellung in der Ausstellung: Hier sind ausschließlich emiratische Künstler vertreten. In diesem Jahr sind es ein Dutzend und als Kurator fungiert ADMAF. Themen sind z. B. traditionelle Kleidung wie Abaya und Kandoora und bestimmte Sitten und Gebräuche, wie die Falknerei, die zur kulturellen Identität bzw. zum wichtigen Kulturerbe der Vereinigten Arabischen Emirate gehören. Wird dies auch noch in Zukunft gelten? Die Künstler drücken mit Hilfe verschiedener Techniken die Befindlichkeiten und Herausforderungen der heutigen Gesellschaft aus. In Fotos, Drucken, Digitalbildern und Videos werden verschiedene bildhafte Sprachen verwendet, wobei die Palette von religiöser Ikonografie bis zur Popkultur reicht. Bei der Entdeckung der individuellen Umgebung nutzen viele Künstler alternative Kommunikationsmittel des digitalen Zeitalters, andere stellen ländliches Kulturerbe städtischer Modernität gegenüber.

Emiratis mit Identitätsproblemen

In den Vereinigten Arabischen Emiraten ist die einheimische Bevölkerung in der Minderheit. Millionen von fernöstlichen Gastarbeitern und philippinischen Hausangestellten prägen das Alltagsbild. Vor diesem Hintergrund sind Identitäts- und Traditionspflege von eminenter Bedeutung. Man ist sich dessen bewusst und versucht, auch die junge Generation für dieses Thema zu interessieren. „A question of identity“ ist der Titel einer Serie von s/w Foto-Portraits emiratischer Männer und Frauen, die von Mohamed Kanoo produziert wurde. Ein Video und zwei Foto-Werke der jungen, viel versprechenden Nachwuchskünstlerin Karima Al-Shomaly geben dem Besucher beim Anblick von von Seilen umgebener nackter Füße Rätsel auf. Ein Gefangener? Wer mit der ländlichen Geschichte des Landes vertraut ist, könnte jedoch auch einen Korbmacher vermuten, denn Seile aus Kokosmaterial wurden auch mit Hilfe der Füße, die das Seil straff hielten, zu Körben für die Landwirtschaft verarbeitet.

„Ich arbeite an einem meines Wissens bisher nie dagewesenen Thema und schreibe darüber gerade in London meine Doktorarbeit. Sie soll auch als Buch erscheinen,“ drückt die Künstlerin geheimnisvoll ihre Ambitionen aus.

Internet: www.abudhabifestival.ae

Text und Fotos: © Barbara Schumacher

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.