Art Dubai, Sikka, Alif und Noon

Noch vor 15 Jahren war Dubai künstlerisches Niemandsland. Es gab eine einzige namhafte Kunstgalerie im historischen Bastakia-Viertel mit zerfallenden Windturmhäusern, das in letzter Minute dem Abrissschicksal entronnen war. Heute hat Dubai rund 150 höchst aktive Kunstgalerien, die sich meist im Gate District des Dubai International Financial Centre (DIFC) und im Industrieviertel Al Quoz mit der Serkal Avenue befinden. Die Dubai Art Season dauert vom 14. März bis 30. April 2015.

Art Dubai 2015 – Kunstmesse der Superlative

Abdulqader Al Rais Foto: © Barbara Schumacher
Abdulqader Al Rais Foto: © Barbara Schumacher

Die 2008 gegründete Dubai Art & Culture Authority veranstaltet eine Fülle von Kunstereignissen, von denen die jährliche Art Dubai das international bekannteste und Aufsehen erregendste ist. Alles wächst hier: neben der Zahl großartiger Kunstwerke auch die Zahl bizarrer Installationen und schlechter Videos. Ort des Geschehens: das phantastische Ambiente der Madinat Jumeirah in unmittelbarer Nähe zum Burj Al Arab. Als die Art Dubai zum 9. Mal vom 18.-21. März 2015 stattfindet, gilt sie als führende Kunstmesse im Mittleren Osten, Afrika und Südasien und steht unter der Schirmherrschaft von Sheikh Mohammed bin Rashid Al Maktoum, Herrscher von Dubai. 92 Kunstgalerien aus 40 Ländern präsentieren Werke von über 500 internationalen Künstlern im Rahmen mehrerer Programme. In der Halle Art Dubai Modern sind Werke arabischer Künstler zu sehen, die in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts als Kunstpioniere großen Einfluss auf die Kunst in ihren jeweiligen Ländern hatten, wie Mahmoud Hamad aus Syrien. Ferner gibt es ein Artists’ and Curators’ Residence Programm, Veranstaltungen für Nachwuchskünstler und Campus Art Dubai, eine jährliche Ausstellung von Werken der Künstler, die den hoch dotierten Abraaj Group Art Prize gewonnen haben. Das Global Art Forum rundet das Programm ab. Zum

ersten Mal gibt es in diesem Jahr eine besondere Ausstellung, die u. a. dem emiratischen Künstler Abdulqader Al Rais aus Dubai gewidmet ist. Zusammen mit drei weiteren Künstlern schuf er Gemälde, die im Laufe des Sommers 2015 sukzessive auf Wagen der Metro in Dubai aufgebracht werden. Die Idee dazu hatte Sheikh Mohammed.

Sikka Art Fair – zum fünften Mal

Sikka Eingang Foto: © Barbara Schumacher
Sikka Eingang Foto: © Barbara Schumacher

Zeitgleich mit der Art Dubai, aber mit 11 Tagen von längerer Dauer, ist die ebenfalls von der Kulturbehörde organisierte Sikka Art Fair – im romantischen Ambiente vieler enger Gassen mit open air Skulpturen im Schatten großartig renovierter traditioneller Windturmhäuser im Al Fahidi Historical Neighborhood (früher Bastakia) – Ziel begeisterter Besucher und Künstler wie Batik-Künstlerin Awatif Al Safwan aus Saudi-Arabien. „So etwas gibt es in meinem Land noch nicht, aber wir arbeiten daran. Batik-Kunst ist in Saudi-Arabien noch wenig bekannt, aber ich hatte bereits mehrere Ausstellungen und habe einige Preise gewonnen,“ meint sie. Sikka präsentiert meist

Awatif Al Safwan Foto: © Barbara Schumacher
Awatif Al Safwan Foto: © Barbara Schumacher

emiratische Künstler – von renommierten wie Abdulquader Al Rais bis zu unbekannten Nachwuchstalenten – aber auch Künstler anderer arabischer Länder sind vertreten – insgesamt mehr als 50. Kurator Jalal Luqman, Mitbegründer der Ghaf Gallery in Abu Dhabi und selbst bekannter Künstler, hat ein Rahmenprogramm auf der zentralen Bühne organisiert. Einrichtungen, wie z. B. die Architectural Heritage Society stehen im Zeichen der Kunst: Im Innenhof sind die Gemälde der syrischen Künstlerin Ghada Dehni zu sehen: „Ich bin aus Syrien für drei Monate nach Dubai gekommen und fliege danach wieder zurück. Die katastrophale Lage in Syrien hat auch die Künstler vertrieben, von denen sich viele in Dubai aufhalten. Portraits,

Michael Arnold Foto: © Barbara Schumacher
Michael Arnold Foto: © Barbara Schumacher

Landschaften, Blumen, Frauen und traditionelle Szenen sind meine Motive. Meine Gemälde tragen keine Namen, ich überlasse es der Phantasie der Betrachter, sie zu interpretieren.“ Die vor Ort ansässige XVA-Gallery mit Hotel und Café steht ebenso im Zeichen von Sikka durch eine große Sonderausstellung des vielfach ausgezeichneten irakischen Künstlers Halim Al Karim, dessen „unscharfe“ Bilder Unheil ahnen lassen, wie Tashkeel (Al Fahidi Haus 10) mit gesellschaftskritischen Werken von Manal Al Dowayan (Saudi-Arabien) und dem Amerikaner Michael R. Arnold an der Staffelei: Er hat seinen Beruf als erfolgreicher, international tätiger Architekt aufgegeben und widmet sich nun ausschließlich der abstrakten und impressionistischen Malerei emiratischer Szenen, Menschen und Architektur. „Der Kunstsammler und frühere emiratische Kulturminister Al Owais hat bereits viele meiner Werke erworben,“ erwähnt der Künstler. In der Showcase Gallery in Al Quoz ist „From The Art Of Architecture to The Architecture of Art“ zu sehen.

Alif Art Gallery – Dialog orientiert

Die von Natalya Andakulova aus Usbekistan 2012 gegründete Galerie für zeitgenössische Kunst in den DAMAC Park Towers, nahe dem DIFC, hat sich auf Künstler aus Zentralasien mit Schwerpunkt Usbekistan spezialisiert – und füllt damit eine Marktlücke. „Mein Ziel ist es, in Dubai den künstlerischen Dialog zwischen Zentral-Asien und dem Mittleren Osten zu fördern, wozu ich nicht nur Künstler sondern auch Schriftsteller und Kunstsammler animiere.“ Sie arbeitet mit der internationalen Kunstinitiative Abu Dhabi Art Hub zusammen, deren Berater, der aus Iran stammende Künstler Nasser Palangi, während der Art Dubai bei Alif seine Werke mit Bezug zu den Emiraten ausstellt.

„Ich habe nicht nur die Werke für die Präsentation von Abu Dhabi Art Hub auf der Sikka Art Fair zusammengestellt, sondern freue mich auch besonders, meine Werke bei Alif auszustellen, weil ich die Initiative von Natalya unterstützen möchte.“ Man staunt, dass ein iranischer Künstler und Universitätsdozent, der zwischen Abu Dhabi, Dubai und Sidney pendelt, Werke aus der emiratischen Tradition kreiert und dabei traditionelle Medien wählt: Realistisch gemalte Beduinenporträts und Szenen aus dem Beduinenleben erscheinen auf authentischen Fächern aus Palmmaterial und auf „antiken“ Gebrauchsgegenständen der Beduinen – in schwarz/weiß. „Die Menschen stehen bei meiner Kunst im Vordergrund,“ so Nasser Palangi.

Noon – Symbiose von Kunst und Kommerz

Wer die Kunst liebt, wohnt in Dubai stilgerecht im wohl einzigen Hotel der Welt, das komplett von Künstlern gestaltet wurde. Das Noon Hotel liegt etwa 5 km landeinwärts von Madinat Jumeirah. Die Werke der drei bekannten Künstler Dr. Najat Meky (Dubai), Ali Hassan (Qatar) und Khaled Ben Slimane (Tunesien) schmücken Lobby, Flure, Restaurant und Zimmer. Der Name des Hotels – Noon – bedeutet im arabischen „N“ und dieser Buchstabe bestimmt seit Jahrzehnten das künstlerische Werk von Ali Hassan in unglaublicher Vielfalt. Das gesamte erste Stockwerk besteht aus einer Kunstgalerie mit wechselnden Ausstellungen arabischer Künstler. Im März 2015 sind dies Michel El Mir (1930-1973), berühmter Maler aus dem Libanon, Louma Rabah, junge Nachwuchskünstlerin aus dem Libanon und Ghada Al Hassan, Malerin und Bildhauerin aus Qatif bei Dammam in Saudi-Arabien, die bereits über internationale Ausstellungserfahrung verfügt. Hotel-Eigentümer ist Khaled Abdulla Al Mutawa, Direktor von International House (Immobilienunternehmen), Kunstmäzen und Kunstsammler. „In meinem Buch Arabian Art Spirit ist ein Teil meiner großen Gemäldesammlung zu sehen. Darunter sind Meisterwerke von Fateh Al Mudarres (Syrien 1922-1999), Samir Rafi (Ägypten 1926-2004), Paul Guiragossian (Libanon 1926-1993), Assim Hafiz (Irak 1886-1978) und viele mehr. Der Drang nach Wissen hat mich zum Kunstsammler werden lassen. Ferner geht es mir darum, dass diese unschätzbar wertvollen Werke als arabisches Kulturerbe nicht von den internationalen Auktionshäusern aufgekauft werden, sondern in Dubai bleiben. Dubai ist international bekannt, aber es wird immer arabisch und islamisch sein.“

Informationen: www.artdubai.ae

Text und Fotos: Barbara Schumacher

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