Reichsdeutsche und ihr Kaiser in Marokko – Wanderausstellung

Eine Wanderausstellung informiert mit historischen Bildern über die Präsenz der Deutschen in Marokko. 68 große Bildtafeln mit zeitgeschichtlichen Dokumenten, Fotographien und Texten veranschaulichen die „Spuren der deutschen Präsenz in Tanger und Marokko in der Zeit von 1873 bis 1918“. Die Ausstellung wurde im Juni 2014 in Tanger eröffnet. Die letzte Station ist Berlin, wo sie bis zum 20. Mai 2015 im Kulturzentrum der Botschaft des Königreichs Marokko zu sehen ist.

Die Ausstellung ist chronologisch angeordnet. Die erste Bildtafel handelt von den schwäbischen Fuggern und Welsern, die bereits zu Beginn des 16. Jahrhunderts in Safi, einer am Atlantik zwischen Casablanca und Agadir gelegenen Hafenstadt, Handelskontore errichtet hatten. Im Jahr 1578 kämpften deutsche Söldner in der „Schlacht der drei Könige“ bei Ksar-el-Kabir auf Seiten des portugiesischen Königshauses gegen marokkanische und osmanische Truppen. Bis zum Beginn des 19. Jahrhunderts engagierten sich dann vornehmlich die deutschen Hansestädte in Marokko. Ein erstes Handelsabkommen wurde im Jahr 1802 zwischen Sultan Moulay Soulaiman und der Hansestadt Hamburg abgeschlossen. Tanger war das Zentrum der deutschen Präsenz in Marokko.

Der erste Gesandte des 1872 gegründeten Deutschen Kaiserreichs nahm bereits ein Jahr später seine diplomatische Tätigkeit in Tanger auf, was den zeitlichen Beginn des Ausstellungstitels begründet. In den Folgejahren bereisten Forschungsreisende das Land und die wirtschaftlichen Aktivitäten der Reichsdeutschen nahmen deutlich zu. An den „Großen Geschäften“ waren Firmen beteiligt, deren Namen noch heute bekannt sind, wie beispielsweise Krupp und Mannesmann. Die Deutsche Post eröffnete in Tanger im Dezember 1899 ihre erste von insgesamt 16 Filialen, die Deutsche Orientbank war in Casablanca und Tanger vertreten, wo es auch eine deutsche Schule gab.

Ambivalenter Höhepunkt der Ausstellung über die deutsche Präsenz in Marokko: der Besuch von Wilhelm II. am 31. März 1905 in Tanger. In seiner Ansprache hob der deutsche Kaiser die „Unabhägigkeit des Scherifenreiches“ Marokko hervor und bot großzügig erscheinende Unterstützung und Schutz durch Deutschland an. Der vermeintlich gut inszenierte Besuch provozierte Frankreich und wurde zum Auslöser der „Marokko-Krise“.

Die letzte Tafel schließt das kurze Kapitel der deutschen Präsenz in Marokko ab. Gemäß „Abschnitt V. Marokko.“ des Versailler Vertrages „verzichtet Deutschland auf alle Rechte, Ansprüche und Vorrechte, alle mit dem scherifischen Reich abgeschlossenen Verträge, Abmachungen, Abkommen oder Vereinbarungen sind aufgehoben, alles Gut und Eigentum des Deutschen Reiches und der deutschen Staaten im scherifischen Reiche geht ohne irgendwelche Entschädigung auf den Machzen* über.“

Die beeindruckende Ausstellung ist ein bemerkenswertes Beispiel, wie lebhaft und anschaulich Geschichte vermittelt werden kann. Die Einführung zur Ausstellung sowie einige Bildtafeln finden Sie auf der Seite der Deutschen Botschaft in Rabat

Der deutsche Katalog zur Ausstellung kann über die Deutsch-Marokkanische Gesellschaft in Marokko bezogen werden.

* die staatliche Finanzverwaltung der marokkanischen Regierung

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