Fasten im Ramadan – tagsüber hungern und nachts sinnlose Völlerei?

Der Ramadan steht wieder einmal bevor – in Deutschland beginnt er am 18. Juni – und nahezu 2 Milliarden Menschen auf der ganzen Welt fasten dann 30 Tage lang. D.h. sie enthalten sich tagsüber jeglichen Essens oder Trinkens. Auch sexuelle Aktivitäten und andere Genüsse wie Rauchen sind in dieser Zeit untersagt. Manche Muslime legen das Fastengebot derartig streng aus, dass sie tagsüber nicht einmal mehr reden.

Doch sobald die Kanone zum Iftar (Fastenbrechen) ertönt – wie z. B. in Ägypten und Syrien – stürzen sich ausgehungerte Menschen über das Essen, das von den Hausfrauen in liebe- und oft mühevoller Arbeit vorbereitet wurde, wie ein Schwarm Heuschrecken. Da wird geschlungen und geschaufelt, als wenn es nach einer langen Dürreperiode endlich wieder etwas zu essen gibt und es ungewiss ist, wann die nächste Mahlzeit folgt.

Aus eigener Erfahrung weiß ich, dass nach einem anstrengenden Fastentag, die Augen oft viel größer sind als der Magen. Aber weil auch das Angebot im Speiseplan des Ramadan oft viel reichhaltiger ist als zu „normalen“ Zeiten, möchte man möglichst von allem kosten … und dann ist es schon zu viel. Der Magen drückt, es gibt noch den obligatorischen Tee oder Kaffee, Wasser soll man auch noch trinken. Alles, was sonst über viele Stunden verteilt in den Magen gelangt, wird innerhalb von wenigen Minuten hineingestopft.

Und tatsächlich berichten viele Muslime, dass sie im Ramadan zunehmen.1

Verständlich, denn für den Körper ist diese „Fressorgie“2 nach überstandener Dürreperiode, als wenn nach einer Hungersnot endlich wieder genügend Nahrung da ist. Während der Hungerphase schraubt der Körper den Stoffwechsel auf ein Minimum zurück, so dass möglichst wenig Energie verbraucht wird. Daher sind Menschen die fasten oft auch so antriebslos. Ihnen fehlt die nötige Energie, weil ihr Körper auf Sparflamme fährt. Abends dann wird das reichliche Essen vom Körper dankbar angenommen und – für den Fall der nächsten Hungersnot – sorgfältig in den Fettdepots eingelagert. Da können pro Ramadan schon einmal gut und gern 3-5 Kilo zusammen kommen.

Gesundheitlich bedenklich ist dabei, dass ein derart schwankender Energiehaushalt im menschlichen Körper bewirkt, dass auch der Insulinspiegel – der unter anderem für das Hunger- und Sättigungsgefühl zuständig ist – entsprechend großen Schwankungen unterworfen ist. Und nicht selten wird dadurch eine latente Diabetes zu einer manifesten. Darüber hinaus führt das übermäßige Essen im Ramadan oft zu Magenproblemen, Bluthochdruck und Herzbeschwerden.

Nicht umsonst warnen Ernährungsexperten in vielen muslimischen Ländern vor übermäßiger Völlerei und in manchen gibt es bereits diverse Aufklärungskampagnen über ein sinnvolles und gesundheitlich angepasstes Fastenbrechen sowie eine ausgewogene Ernährung.

Auch in Deutschland warnen Ärzte und engagierte Muslime wie etwas Lale Akgün, frühere Islambeauftragte der SPD-Bundestagsfraktion, vor Übertreibungen. Akgün zufolge sei der Flüssigkeitsverzicht im Sommer riskant und falsch. Das merke man dann auch. „Sie haben Kopfschmerzen, es geht ihnen nicht gut, spätestens am Nachmittag werden manche unleidlich, ungeduldig, unfreundlich.“ Akgün plädiert für ein Fasten, das auf die Wochenenden beschränkt sei oder auf Verzichte bei Dingen wie Theaterbesuchen oder größeren Einkäufen. Jeder solle selbst entscheiden, meint Akgün.3

 

2s.a. Heise

3s.a. HAZ

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