Woher kommt der Ramadan?

Der Ramadan ist der neunte Monat des islamischen Mondkalenders, in dem das koranisch vorgeschriebene Fasten stattfindet. Die Fastenzeit beginnt für die weltweit bald zwei Milliarden Muslime mit der Sichtung der neuen Mondsichel und endet nach deren Wiederkehr. Woher stammt der Begriff und worauf geht das Fasten zurück? Wie wird das Fasten umgesetzt und gibt es Veränderungen in der über 1400-jährigen Geschichte dieser islamischen Praxis?

Die vorislamische Bezeichnung des Monats ist ein regelmäßiger Plural, abgeleitet von der Grundform ramadha. Die beiden Verbalnomen bezeichnen das Verbranntsein bzw. die starke Hitze des Bodens. Das altarabische Jahr begann im Herbst und richtete sich nach dem Mond, der nach 29,5 Tagen einmal die Erde umrundet. Die zwölf Monate bestehen abwechselnd aus 29 und 30 Tagen. Da das Mondjahr nur 354 Tage hat, wurde alle zwei bis drei Jahre ein Schaltmonat zum Angleichen an das Solarjahr in Entsprechung der Jahreszeiten eingefügt. Mit der Islamisierung Arabiens wurde der „heidnische“ Schaltmonat bereits zu Lebzeiten Mohammeds abgeschafft.

Das Klima der arabischen Halbinsel ist durch Hitze und Wasserknappheit gekennzeichnet. Von Juni bis September fällt kein Regen, die Tageshöchsttemperaturen übersteigen 40° und erreichen gegen Ende des Sommers örtlich auch 50°. Im Oktober fallen die Temperaturen mit dem ersten spärlichen Regen. Ramadan als die Tage der großen Hitze wird folglich auch der heiße Monat genannt. Es erscheint nachvollziehbar, dass – angesichts knapper Ressourcen – die meisten Aktivitäten unter solchen Bedingungen tendenziell eher in der Zeit zwischen Sonnenunter- und Sonnenaufgang stattfinden. Das islamische Fasten im 30 Tage dauernden Monat Ramadan könnte folglich durchaus auch auf eine menschliche Anpassung an die klimatischen Gegebenheiten zurückgeführt werden.

In der Zeit vor der Islamisierung lebten Juden und Christen in Arabien. Im Judentum gibt es Fasttage als Gedenktage, an denen längstens 25 Stunden gefastet wird. Die vorösterliche 40 Tage andauernde Fastenzeit der Christen wird erstmals im Konzil von Nicäa im Jahr 325 erwähnt. Bis dahin waren die Karwoche bzw. zwei Tage vor Ostern dem Fasten vorbehalten. Sowohl das Neue als auch das Alte Testament berichten an vielen Stellen über das Fasten. Moses fastete 40 Tage und Nächte auf einem Berg „und der Herr erhörte mich auch dieses Mal“ (5 Moses 10:10), ebenso wie Jesus in der Wüste (Matth. 4:2). Beide Glaubensrichtungen befanden sich in einem dynamischen Prozess des Austausches und der gegenseitigen Beeinflussung mit der nomadischen und städtischen Bevölkerung Arabiens der vor-islamischen Zeit.

Die positive Wirkung des Fastens auf Körper und Geist des Menschen ist in allen Kulturen traditionell bekannt. Fasten ist potentiell bewusstseinserweiternd, indem es die Hinwendung zum eigenen Selbst fördert und ein Gespür für die Verbundenheit mit der Natur und der Ewigkeit vermittelt.

Im Koran wird der Ramadan lediglich an einer Stelle (2:184) genannt, als Monat in dem der Koran „als Rechtleitung für die Menschen herabgesandt worden ist“ und die Menschen, so sie nicht krank oder auf Reisen sind, fasten sollen. Auszüge der nachfolgenden und der beiden vorhergehenden Verse definieren die Art und Weise des Fastens:

Den Gläubigen ist das Fasten ebenso wie den Menschen früherer Zeiten vorgeschrieben. (2:182)

Es sind abgezählte Tage. Wer krank oder unterwegs ist, fastet an ebenso vielen anderen Tagen oder leistet Ersatz mit der Speisung eines Armen. (2:183)

Erlaubt ist euch der Verkehr [rafath] mit euren Frauen in der Nacht der Fastenzeit. Esst und trinkt bis die Morgendämmerung euch den schwarzen vom weißen Faden unterscheiden lässt. (2:186)

Sieben weitere Stellen im Koran gehen auf das Fasten ein, dessen arabische Bedeutung im Deutschen auch mit Enthaltsamkeit und Abstinenz wiedergegeben wird. Bei Fragen zur praktischen Umsetzung sowie insbesondere zur Deutung der Verse, die das Fasten betreffen, beziehen sich viele Muslime auf die Hadithe – die überlieferten Taten und Aussprüche des Propheten und seiner Genossen -, die zunächst mündlich und in den ersten Jahrhunderten des Islam gesammelt und schriftlich festgehalten wurden.

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