Buchbesprechung: Magische Nächte in Marrakesch

Helene Brochett beginnt ihre Reisebeschreibung „Magische Nächte in Marrakesch“ sehr interessant, wenngleich ihre Sprache sehr simpel ist, sie oft viel zu langatmig die Farben eines Raumes beschreibt, über ein Gespräch schreibt, statt einen Dialog als solchen wiederzugeben oder leider eben nicht den Namen der Straße oder des Cafés nennt, in der sie etwas entdeckt (z. B. das „Café des Espices“). Zudem hatte ich nach den ersten 10 Seiten bereits das Gefühl, dass die Autorin eine ganz andere Stadt besucht hat als ich: Ich habe sie weder laut (kein einziges Auto hat gehupt!), noch als dreckig, selbst die kleinsten Gassen in der Medina sowie der gesamte Djamaa el Fna, die kleine Fussgängerzone, die direkt von ihm abgeht usw. waren jeden Morgen ordentlich gefegt; wo sie gepflastert waren, wurden sie auch mit Wasser gereinigt. Die Händler waren in keiner Weise aufdringlich und einen Möchtegern-Touristenführer haben wir nur am ersten Tag getroffen, den wir schlicht und einfach mit einem freundlichen „Nein, danke“ abwehren konnten. Liegt es daran, dass sie zum ersten Mal im „Orient“ war und ihren Kulturschock verarbeiten muss?

All die verschiedenen Erlebnisse einer Woche, die Helene Brochett beschreibt, scheinen mir ebenso übertrieben und offensichtlich künstlich wie ihr knapper Schluss mit der Auflösung der Spannung, die sie mittels einer unbekannten Frau aufbaut, die ihr immer wieder ganz zufällig über den Weg läuft.

Ich war letzten Endes enttäuscht von dem Büchlein, hatte ich mir doch so etwas wie einen modernen, weiblichen Canetti erhofft. Aber darauf muss ich wohl noch weiter warten.

Helene Brochett
Magische Nächte in Marrakesch
140 S., Books on Demand, 2010, ISBN: 978-3839157169

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