Buchbesprechung: Mit Rafik Schami und Marie Fadel unterwegs in Damaskus

Vieles an diesem Buch ist ungewöhnlich: Die „Verpackung“ in einem Schuber, das Format, ein schmales Hochkant Taschenbuch, aber dennoch gebunden. Und schließlich auch der Inhalt. Nicht wirklich Kochbuch und auch kein Stadtführer sondern eher ein Blick zurück in die eigene Kindheit und Jugend, die Rafik Schamit mit seiner Familie in der Altstadt von Damaskus verbracht hat. Interessant und außergewöhnlich auch die Entstehung des Buches: Marie Fadel, Rafik Schamis Schwester, wandert durch das Viertel und besucht alte Bekannte. Dabei erinnert sie sich, welche Spezialitäten dort gekocht wurden. In einem Telefongespräch erzählt sie ihrem Bruder in Deutschland davon, der schließlich alles zu Papier bringt. Der Spaziergang durch die Altstadt von Damaskus bekommt so eine sehr persönliche Note. Eingestreut hat Schami Interessantes und Informatives und der Leser biegt bald mit Marie und Rafik um die Ecken und hat den Duft von frisch gebackenem Brot oder von Kebab und anderen Köstlichkeiten in der Nase. Die Rezepte runden dann die jeweiligen Spaziergänge ab und machen schnell Lust auf Nachahmung. Eine kleine Gewürz- und Kräuterkunde rundet das Buch ab. Schade nur, dass die wenigen Abbildungen im Text nun klein und in schwarz-weiß sind. Aber das ist vielleicht wie mit dem Essen. Man kann viel über die gute Küche Syriens lesen, deswegen kann man sie immer noch nicht verstehen. Man muss sie tatsächlich probieren. Mit diesem Buch ist es sogar relativ einfach geworden, die besten typischen Gerichte nachzukochen. Auch die schönsten Fotos hätten nicht den Eindruck bieten können wie ein realer Spaziergang durch die Altstadt. Hoffen wir, dass nicht allzuviel von der Altstadt im Bürgerkrieg zerstört wird!

Marie Fadel + Rafik Schami: Damaskus. Der Geschmack einer Stadt. Oasen für die Sinne, Sanssouci Verlag 2002, geb. Ausgabe 208 Seiten

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